Das Wachstum der Industrie in China ist im Juli unerwartet zum Stillstand gekommen. Mit einem Wert von 50 Punkten lag der am heutigen Samstag veröffentlichte offizielle Einkaufsmanagerindex für die Branche genau auf der Linie zwischen Wachstum und Rückgang. Die Nachfrage sei im In- und Ausland zurückgegangen, hieß es. Experten hatten einen zum Vormonat unveränderten Wert von 50,2 Punkten erwartet, was ein leichtes Wachstum signalisiert hätte.

Die chinesische Konjunktur ist nach Jahren rasanten Wachstums abgeflaut. Die Regierung versucht mit Konjunkturprogrammen der Wirtschaft mehr Zugkraft zu verleihen.

Ende 2013 nahm die neue chinesische Regierung eine umfangreiche wirtschaftspolitische Reformagenda in Angriff. Sie schuf eine Freihandelszone in Shanghai und trieb die Internationalisierung der Währung Renminbi voran. Später liberalisierte sie auch die Börsen von Shanghai und Shenzhen.

Dennoch ist das Bruttoinlandsproduktes zuletzt langsamer gewachsen. Staatspräsident Xi Jinping verkündete zuletzt, die Qualität des Wachstums sei wichtiger als die Quantität. Allerdings offenbarte die Regierung bald ihre eigene Nervosität angesichts des Normalzustands: Seit Anfang 2015 verspricht sie sieben Prozent Wachstum.

Allerdings wirft ein Einbruch an den Aktienmärkten das Land dabei zurück. Nach dem spekulativen und vielfach kreditfinanzierten Aktienboom der vergangenen Monate haben die Indizes in Shenzhen und Shanghai seit Mitte Juni mehr als ein Drittel an Wert verloren.

Anfang Juli brach der Leitindex in Shanghai trotz umfangreicher Staatseingriffe ein und erlebte den größten Kursrutsch seit 2007. Die für die chinesischen Aktienmärkte zuständige Aufsichtsbehörde sprach daraufhin von einer Panikstimmung. 

Analysten rechnen angesichts des langsameren Wirtschaftswachstums und der Talfahrt an den Börsen mit einer möglichen weiteren Senkung des Leitzinses oder der Mindestanforderungen für die Kapitalreserven der Banken. Die Verbraucherpreise waren in der ersten Jahreshälfte nur um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.