Die Nettovermögen der privaten Haushalte sind in den Jahren 2003 bis 2013 einer Untersuchung zufolge geschrumpft. Werde die Inflation in der Zeitspanne mitberücksichtigt, hätten die Haushalte fast 15 Prozent ihres Nettovermögens verloren, heißt es in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die Forscher griffen auf Daten aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) zurück.

Die privaten Haushalte verfügten im Jahr 2013 der Studie zufolge über ein durchschnittliches reales Nettovermögen von jeweils knapp 117.000 Euro. Damit haben sie der Untersuchung zufolge in den vergangenen zehn Jahren gut 20.000 Euro verloren.

In dem Zeitraum hätten allerdings auch knapp 45 Prozent der Personen ihr Vermögen real steigern können – am stärksten die 30- bis 39-Jährigen. Besonders stark gestiegen seien die Vermögen bei Menschen, die Schenkungen oder Erbschaften erhielten. Haushalte, die zwischen 2002 und 2007 in den Genuss von Schenkungen kamen, wurden dadurch laut Studie im Schnitt um 35.000 Euro reicher, bei Erbschaften gab es einen durchschnittlichen Zuwachs von 18.000 Euro. Mieter hatten dagegen sehr geringe Vermögenszuwächse und zudem im Schnitt mit weniger als 3.000 Euro die geringsten Nettovermögen.

Inflation heizt Verlust an

Die Forscher machen dafür vor allem zwei Gründe verantwortlich: die "schwache Wertentwicklung selbstgenutzter Immobilien" und das "Anlageverhalten der Deutschen". So sei der Wert von Immobilien in den vergangenen Jahren nur in bestimmten Großstadtregionen wie München, Berlin oder Köln gestiegen, während im Rest der Republik viele Eigenheime real an Wert verloren hätten. Viele Sparer investierten ihr Vermögen zudem bevorzugt in risikoarme, dafür aber renditeschwache Anlagen wie Sparbücher, Girokonten oder Bausparverträge. Diese würden oft nicht einmal die Inflation ausgleichen.  

Hier liegt auch ein Grund für den Vermögensverlust: Wird die Preissteigerung nicht mitberücksichtigt, stieg das Vermögen der Haushalte im selben Zeitraum laut der Untersuchung durchschnittlich marginal an, nämlich um 0,4 Prozent oder 500 Euro. Die Sparquote der privaten Haushalte lag in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Forschern zufolge fast durchgehend bei über neun Prozent.

Andere Studie kommt zu gegenteiligem Ergebnis

Die Ergebnisse der DIW-Studie widersprechen denen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR). Diese weisen für die Jahre 2003 bis 2013 eine Zunahme der Vermögen in Höhe von 20 Prozent aus. Die DIW-Forscher begründen die unterschiedlichen Ergebnisse mit einer abweichenden Berechnung des Werts von Immobilien. Während die VGR eine Wertsteigerung von 19 Prozent berechnet, ist dieser laut DIW gesunken. Anders als die Statistiker vom VGR fragen die DIW-Wissenschaftler Wohnungsbesitzer, was sie schätzen, zu welchem Preis sie ihre Immobilie verkaufen könnten. 

Die Entwicklung und Bewertung von Immobilienpreisen ist umstritten. Von einem Werteverlust bei Immobilien in Großstädten kann laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln kaum die Rede sein. Allerdings werde auf dem Land zu viel gebaut, was zu Leerstand und auch Wertverlust führen könnte. In einigen Regionen auch in Westdeutschland gebe es zu viele Wohnungen, die nicht benötigt würden.    

Erst vor Kurzem hatte die Bundesbank errechnet, dass das private Geldvermögen in Deutschland auf ein Rekordniveau gestiegen ist. Eine OECD-Studie kam im Mai zu dem Schluss, dass Vermögen in Deutschland ungleicher als in anderen Industrienationen verteilt sind. Die ärmsten 60 Prozent kommen demnach hierzulande lediglich auf sechs Prozent des gesamten Vermögens.