Welche Sprache sprechen Zuwanderer, wenn sie zu Hause unter sich sind, zum Beispiel Familien beim Abendessen? Die vielleicht überraschende Antwort: in Deutschland häufig Deutsch. Das ergab eine Studie der OECD, auf der die Infografik basiert, die das Portal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Für die Studie lagen Daten aus 20 OECD-Ländern vor.

Demnach ist in Deutschland, aber auch in den Niederlanden, der Slowakei und Dänemark der Anteil der Migranten, die zu Hause die Sprache des Aufnahmelandes sprechen, besonders hoch. In Deutschland sprechen 36 Prozent der Zuwanderer zu Hause deutsch, obwohl das nicht ihre Muttersprache ist. Ebenso hoch ist der Anteil der Migranten, die in den Niederlanden zu Hause niederländisch sprechen. Die OECD-Forscher begründen den Wert hier mit dem hohen Anteil von Zuwanderern aus früheren holländischen Kolonien.

Dagegen sprechen in den USA nur 16 Prozent der Zuwanderer in den eigenen vier Wänden englisch, 58 Prozent dagegen ihre eigene Muttersprache. Ähnlich hoch ist der Prozentsatz in Schweden, aber auch in Kanada nutzen nur relativ wenige Migranten Englisch zu Hause.

Allerdings gaben auch 40 Prozent der in Deutschland lebenden Migranten an, zu Hause nicht deutsch zu sprechen. Ähnlich groß ist der Anteil der Migranten, die in Finnland kein finnisch sprechen und in Italien kein italienisch.

Insgesamt sind in den 20 betrachteten Ländern fast zwei Drittel der Migranten Fremdsprachler, also nicht mit der Sprache ihres Aufnahmelandes aufgewachsen. Besonders hoch ist der Fremdsprachler-Anteil in den Ländern, deren Amtssprache außerhalb der Landesgrenzen kaum gesprochen wird, etwa Norwegen, Schweden und Dänemark. Dagegen haben in Spanien 62 Prozent der Zuwanderer keine Sprachprobleme, weil sie Spanisch als Muttersprache haben – etwa Migranten aus Lateinamerika.

Ohnehin zählt Spanisch, neben Chinesisch und Arabisch, zu den bedeutenden Sprachen der Migranten. Die Verteilung variiert aber stark: Große Anteile arabischsprachiger Zuwanderer finden sich insbesondere in Frankreich und Spanien. In den USA dagegen machen spanisch sprechende Migranten aus Lateinamerika die bei Weitem größte Gruppe aus, in Kanada sind es Chinesen. Nach Deutschland kommen vor allem Polen und Rumänen – allein diese beiden Nationalitäten deckten 2013 schon 27 Prozent aller Zuwanderer ab. Mit großem Abstand folgten Italiener, Bulgaren und Ungarn.

Unter "Muttersprache" verstehen die Forscher der OECD nicht nur jene, die jemand als Baby beziehungsweise Kleinkind als erste Sprache erlernt hat, sondern auch in einem weiteren Sinne als eine von zwei Hauptsprachen, die die betreffende Person in der Kindheit gelernt hat und heute noch spricht. Zu diesen Muttersprachlern zählen russlanddeutsche Spätaussiedler und Menschen, die aus Siebenbürgen in Rumänien nach Deutschland gezogen sind, aber beispielsweise auch in Deutschland geborene Türken der zweiten Generation. Insgesamt gaben 23 Prozent der hiesigen Migranten Deutsch als Muttersprache an.