Das Geld kommt vom Steuerzahler. Die Zeit drängt, die Flüchtlingszahlen steigen derzeit so schnell, dass die Kommunen sehr schnell Lösungen für die Unterbringung der Menschen finden müssen. Die Nachfrage übersteige das Angebot deutlich, sagt der Beamte aus Essen. "Immer häufiger werden deswegen öffentliche Aufträge ohne Ausschreibung verteilt."

Wie so oft entscheidet auch hier einzig und allein der Preis. Unternehmen wie EHC, das ein Firmensprecher jüngst als "Aldi unter den Anbietern" bezeichnete, machen das Geschäft ihres Lebens. Sie unterbieten Konkurrenten und stützen sich dabei auf staatliche Hilfen. Dabei wird offenbar auch getrickst: "Wir dürfen dem Bewachungspersonal nicht zu viel bezahlen, sonst kriegen die kein Wohngeld vom Staat mehr", verriet jüngst ein ehemaliger EHC-Heimleiter dem Handelsblatt.

Wozu das führen kann, wurde im vergangenen Herbst offensichtlich. Wachmänner misshandelten in den nordrhein-westfälischen Heimen in Burbach und Essen Flüchtlinge. Beide Unterkünfte wurden von EHC betrieben. In der Folge wurde die Essener Firmenzentrale von Aktivisten besetzt. Sicherheitsleute sowie Besetzer müssen sich gegenwärtig vor Gericht verantworten.

Die Sicherheitsfrage ist bei EHC absolut sensibel. Konkrete Nachfragen beantwortet das Unternehmen nur zögerlich. Inhaber Sascha Korte ist prinzipiell nicht für ein Gespräch zu haben. Erst nach mehreren Versuchen ist ein Sprecher bereit, Fragen zu beantworten. Die Antworten fallen einsilbig aus: EHC sei ein Familienunternehmen, die Fragen seien polemisch, und bei weiteren Nachfragen zu einzelnen Unterkünften solle man sich bitteschön an "die öffentliche Hand" wenden.

Versäumnisse im sozialen Wohnungsbau rächen sich

Die "öffentliche Hand" arbeitet eng mit EHC zusammen. Bei Terminen im neuen Essener Flüchtlingsdorf am Altenbergshof zeigt sich Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) mit einem EHC-Vertreter. In den Behörden rumort es indes. "EHC kann eigentlich machen, was es will", sagt der Stadtbeamte, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. "Die wissen genau, dass wir keine andere Wahl haben, als mit ihnen zusammenzuarbeiten." Andererseits räumt der Beamte ein: "Ohne die wären wir am Arsch!"

Daran sind auch die Städte selbst schuld, findet Pro Asyl. Die aktuelle Notlage sei das Ergebnis der Versäumnisse im sozialen Wohnungsbau, so die Flüchtlingsorganisation. Die Bundesregierung habe schlicht verpasst, genügend Wohnungen zu schaffen. "Die Betreiberunternehmen sind nicht die Wurzel des Problems", sagt Bernd Mesovic, stellvertretender Geschäftsführer von Pro Asyl. Der Staat müsse die Marktmacht zurückerlangen. "Das geht nur mit langfristigen Investitionen."

Das Beispiel Essen zeigt, wie Betreiberfirmen von Asylbewerberunterkünften eine Stadt in die Mangel nehmen. Die Flüchtlinge kommen immer zahlreicher, die Unterbringungsmöglichkeiten platzen aus allen Nähten und es gibt nur wenige Anbieter, die der Masse an Asylbewerbern gerecht werden können. Dabei kann auch EHC schon lange nicht mehr die Vorgaben der Bundesregierung erfüllen. In Essen und anderswo geht es nur noch um einen winterfesten Schlafplatz für Menschen in Not.

Deswegen baut die Stadt nun weitere vier Flüchtlingsdörfer. Über drei Standorte wurde bereits entschieden: Sie alle werden auf stillgelegten Sportplätzen errichtet, auf Asche. Der rote Untergrund ist im Ruhrgebiet weit verbreitet. Insgesamt sollen sieben Unterkünfte 1.600 Menschen beherbergen. Ein gutes Geschäft für EHC: Das Unternehmen wird für alle Essener Flüchtlingsdörfer zuständig sein.