Die Erde schimmert kupferrot. Unter den Füßen knacken kleine Körnchen. In die Lungen drängt feiner Staub. Die Asche ist noch da. Auf dem stillgelegten Sportplatz Altenbergshof im Essener Nordviertel wird schon lange kein Fußball mehr gespielt. Wo früher Menschen Fußbällen hinterherhechelten, leben heute Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Somalia und Eritrea.

Auf dem früheren Sportplatz stehen Notunterkünfte für Flüchtlinge. Die Heime auf dem Ascheplatz sind letztlich Zelte. Weiße Ungetüme mit dicken Plastikwänden. Etagenbetten und Spinde sind das einzige Mobiliar, Tische und Stühle gibt es nur im Gemeinschaftszelt. Fenster sind in keinem der Zelte vorgesehen. Die Zweckmäßigkeit erinnert an Messebau.

Die Notunterkünfte sind stabil, klimatisiert und beheizbar und sollen so den ganzen Winter über bewohnbar sein. Das ist wichtig, denn bundesweit kampieren Tausende Flüchtlinge in einfachen Zelten, manche gar unter freiem Himmel. Das wird bald zum Problem. Der Sommer geht zu Ende, nachts fallen die Temperaturen bereits vielerorts unter die Zehn-Grad-Marke.    

Deswegen läuft in Essen nun eine Notfallmaschinerie an. Die klamme Ruhrgebietsstadt geht als erste Kommune in Nordrhein-Westfalen neue Wege: Essen errichtet aktuell drei sogenannte Mobilheime. Das schafft die Kommune nicht allein. Alle drei Übergangsheime werden von der Firma European Homecare (EHC) betrieben. Der Marktführer unter den Flüchtlingsheimbetreibern ist eigenen Angaben zufolge bundesweit für mehr als 50 Asylbewerberunterkünfte mit 5.000 Menschen verantwortlich.

"Die Preise steigen"

Mit EHC bestehe eine "langjährige Partnerschaft", sagt eine mit dem Vorgang vertraute Person aus der Stadtverwaltung in Essen. "Dabei zählt: Gut ist, was bekannt ist." Deswegen bekommen den Zuschlag für die Unterbringung von Flüchtlingen oft Unternehmen, die bereits viele Unterkünfte betreiben.

Durch die wachsende Zahl von Flüchtlingen ist in Deutschland eine regelrechte Flüchtlingsindustrie entstanden. Nicht nur illegale Schleuser verdienen an den Asylsuchenden – auch deutsche Firmen profitieren ganz legal. Private Anbieter wie die Essener Firma EHC nutzen die Notlage der Kommunen für ihren Profit. Ihr Wachstum generieren sie aus Unruhen, Kriegen und Diktaturen. Sie vermieten Zelte, Container, Wohnheime.

Des einen Not ist des anderen Profit. Denn der Andrang der Flüchtlinge schafft Mängel allerorts – von Unterkünften bis zu deren Ausstattung – und einen Markt, der von der Überforderung der Kommunen profitiert. Doch das Geschäft mit der Not ist unverzichtbar geworden. Ohne die Firmen säßen viele Asylbewerber auf der Straße. Den Städten bleibt oft keine andere Wahl, als Aufträge an private Firmen zu vergeben. "Wir sind in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition", sagt der Essener Stadtbeamte. "Die Preise steigen, weil die Unternehmen wissen, dass wir keine Alternativen haben."

Für EHC ist es ein einträgliches Geschäft. Von 2008 bis 2013 vervierfachte sich der Umsatz nahezu. Allein zwischen 2012 und 2013 stieg er um 72 Prozent auf 16,7 Millionen Euro, der Gewinn verdoppelte sich auf mehr als 1,4 Millionen Euro. Fünf Jahre zuvor steckte die Firma noch tief in den roten Zahlen. "Der aktuelle Anstieg erklärt sich durch die gestiegene Zahl an Asylbewerbern sowie die Sicherung neuer Projekte", schreibt das Unternehmen in seiner im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz. Aktuelle Zahlen gibt es nicht. Sie dürften aber höher liegen.