Man kann sich einer gewissen Skepsis nicht erwehren: Sind die globalen nachhaltigen Entwicklungsziele nur deshalb so ambitioniert ausgefallen, weil niemand glaubt, dass sie auch tatsächlich umgesetzt werden?

Im Rahmen der 70. UN-Vollversammlung werden Staats- und Regierungschefs aus aller Welt am kommenden Wochenende in New York erstmals Entwicklungsziele für alle Staaten verabschieden, gültig für die Industrieländer ebenso wie für die Entwicklungsstaaten. Bundeskanzlerin Merkel wird ebenfalls dabei sein – auch und ganz besonders mit Blick auf den Pariser Klimagipfel, der Ende November beginnt. Denn der Klimaschutz ist nicht nur Teil der neuen Ziele, sondern auch Thema eines Treffens der Staats- und Regierungschefs am Sonntag.

Klar ist: Das Erreichen eines wirksamen Weltklimaabkommens im Dezember in Paris ist zentral, um die neuen Entwicklungsziele nachhaltig umsetzen zu können. Und die Klimaverhandlungen sind jetzt in der kritischen Phase. 

Das Treffen in New York wird wahrscheinlich die letzte Chance vor Paris sein, entscheidende Impulse auf höchster Ebene zu setzen. Kanzlerin Merkel kann hier den Beweis antreten, wie sehr die G7- Dekarbonisierungsbeschlüsse von Elmau, ein erfolgreicher Klimagipfel in Paris und die ambitionierte deutsche Energiewende mit tatsächlich nachhaltiger Entwicklung verknüpft sind.

Erstaunliche Einigung trotz aller Kriege

Die 17 universellen Entwicklungsziele werden durch 169 Unterziele konkretisiert, im März nächsten Jahres folgt noch ein Überprüfungs- und Indikatorensystem. Man reibt sich erstaunt die Augen, dass in einer so konfliktreichen Zeit solch ein Verhandlungserfolg zwischen den Staaten der Weltgemeinschaft überhaupt zustande gekommen ist. Auch Nichtregierungsorganisationen wurden in den zweijährigen Konsultations- und Verhandlungsprozess miteinbezogen und können mit dem Ergebnis recht zufrieden sein.

Die im Jahr 2000 für die Entwicklungsländer ausgerufenen Millennium-Entwicklungsziele, die MDGs, werden integriert und weiter verfolgt. Neu ist, dass es nicht "nur" um Entwicklung, sondern um Entwicklung innerhalb der Grenzen des Planeten geht. Und neu ist zudem, dass die Industrie- und Schwellenländer nun genauso im Fokus stehen.

Gemeint sind zum Beispiel Prozesse hin zu nachhaltigeren Produktions- und Konsummustern und die bessere Inklusion der Benachteiligten. Auf allen Ebenen geht es um globale Gerechtigkeit und um die Bewahrung der Lebensgrundlagen. Durch die Vereinbarung universell gültiger globaler Entwicklungsziele werden auf einmal alle zu Entwicklungsländern, eben auch Deutschland.

Deutschland und die EU haben in den Verhandlungen eine erfreulich aktive Rolle gespielt. Nun liegt es an ihnen, auch bei der Umsetzung zu zeigen, dass den Worten Taten folgen. Denn der Handlungsdruck ist groß: Seit 1990 hat sich die Weltwirtschaft verdoppelt – die Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Umweltverbrauch ist jedoch noch nicht gelungen. Die CO2-Emissionen sind 40 Prozent höher, der globale ökologische Fußabdruck ist fast doppelt so hoch, wie es die Tragfähigkeit des Planeten hergibt. Das bisherige Wohlstandsmodell der reichen Regionen der Welt gerät an seine Grenzen. Auch die große weltweite Zahl von Flüchtlingen ist ein Symptom für die sich zuspitzenden Krisen.