Frage: Herr Würth, Sie sind im April 80 geworden. Haben Sie nie daran gedacht, in den Ruhestand zu gehen?

Reinhold Würth: Doch, schon mit 40 habe ich mir überlegt: Mit 65 gehst du in Rente und schreibst einen Kriminalroman. Es ist dann in der Praxis anders gekommen.

Frage: Sie können nicht aufhören?

Würth: Es gibt zwei Seiten. Ich beobachte immer wieder, dass sich Menschen meines Alters, die vor ein paar Jahren in Pension gegangen sind, gnadenlos langweilen. Selbst wenn Sie sich ein komfortables Leben im Süden, mit Strand und Sonne, leisten können.

Frage: Sie sind einer der reichsten Männer der Welt. Sie könnten für Abwechslung sorgen.

Würth: Zugegeben, ich ärgere mich selbst manchmal über meine Blödheit, heute noch so aktiv zu sein. Wir haben zum Beispiel ein schönes Anwesen auf Schwanenwerder. Meine Frau meint, wir sollten es häufiger nutzen. Es ist ja auch so schön am Wannsee. Man kann ins Grüne fahren. Früher war ich oft mit dem Fahrrädle unterwegs, bis nach Neuruppin raus.

Frage: Wie oft sind Sie in Berlin?

Würth: Ein bis zwei Mal im Monat.

Frage: Sie waren gerade sieben Wochen lang mit ihrer 85-Meter-Jacht in Norwegen. Lassen die Seele baumeln?

Würth: Sicher nicht. Auch dort bin ich aktiv. Wir haben jeden Tag Landausflüge gemacht, Museen besucht, Kirchen. Wir haben auch einen Helikopter an Bord.

Frage: Den Sie aber nicht selbst fliegen?!

Würth: Nein, mein Enkelsohn fliegt ihn. Ihm kann ich voll vertrauen.

Frage: Arbeiten Sie an Bord?

Würth: Natürlich. Ich bekomme jeden Tag Post aufs Boot gemailt und ich diktiere dann drei bis vier Stunden. Die Korrespondenz wird von meinen Sekretärinnen zu Hause bearbeitet. Wir machen auch Video- oder Telefonkonferenzen. Das ist lustig. Ich bin zwar nicht mehr ins Tagesgeschäft eingebunden, aber um strategische Fragen kümmere ich mich schon noch. Die Rückkehr war ein Freudenfest – für mich, aber auch für meine Geschäftsführer.

Frage: Wie haben Sie nach Ihrer Rückkehr die Bilder von Flüchtlingen in Europa wahrgenommen?

Würth: Mit Leiden. Und es war gewissermaßen ein Déjà-vu für mich: Ich habe nach dem Krieg selbst noch die Flüchtlingszüge aus dem Osten in Künzelsau ankommen sehen. Wissen Sie, meiner Frau und mir ist das Mitleid mit anderen Menschen ohnehin nicht unbekannt. Nicht zuletzt, weil unser Sohn geistig behindert ist und besonderer Fürsorge bedarf. Meine Frau ist sehr in der Behindertenbetreuung engagiert.

Frage: Tun Sie etwas für die Flüchtlinge?

Würth: Ja. Wir bereiten gerade ein leer stehendes Gebäude für die Aufnahme von Flüchtlingen vor. Unabhängig von staatlichen Aktivitäten geben wir als erste Hilfe 500.000 Euro dazu. Ich sehe in der Zuwanderung auch eine große Chance für unser Land. Viele, die jetzt zu uns kommen, sind gebildete Menschen voller Tatendrang, Akademiker, Ärzte. Sie sind eine Bereicherung.