Die Abgesandte dieser neuen Lieferwelt reicht eine Papiertüte durch die Tür, darin zwei Hamburger und eine Portion Pommes. Auf dem Kopf trägt sie einen alten Fahrradhelm, darunter ein Stirnband, die Nächte werden langsam kalt. Auf den Gepäckträger hat sie eine pinkfarbene Warmhalte-Box geklemmt. Das Ganze könnte wie eine gewöhnliche Lieferung wirken.

Doch die neuen Lieferdienste wie Foodora wollen den klassischen Lieferdienst mit den Möglichkeiten des Internets revolutionieren: Algorithmen teilen Fahrer und Restaurants maximal effizient zu und geben genaue Routen vor. Die Firmen betreiben eigene Fahrerflotten, mit denen sie das Essen der Restaurants nach Hause bringen, die sich keine eigenen Kuriere leisten wollen: Bereits 800 Lokale hat allein Foodora in Deutschland unter Vertrag, das Geschäft wächst parallel in mehr als einem Dutzend Länder.

Bestellt wird per App, abgerechnet direkt über die Kreditkarte und ohne Bargeld. Auf der Karte steht keine Pizza Hawaii oder Chop Suey mehr, sondern die gehobene, hippe, auf jeden Fall teure Küche: In Berlin zum Beispiel kann man bei der Organic Glamour Food Bar belegte Brote mit handgeschöpftem Mozzarella, Urtomate oder Karotten-Süßholz-Textur bestellen, was sich Contemporary Plant Based Food nennt. Andere bieten Pastete vom Lüneburger Reh, "Moliterno-Käse von den wildlebenden Schafen und Ziegen der Basilikata" oder Burger mit Zimtketchup und dem Fleisch des Bio Black Angus aus Zempow, einem brandenburgischen Dorf am Rande der Mecklenburgischen Seenplatte. Zum Nachtisch kann man sich noch ein paar handgefertigte Macarons ordern, drei Stück sind hier für 5,50 Euro zu haben. Der Spaß ist selbstredend alles andere als billig. Beim asiatischen Burgerladen in Prenzlauer Berg kostet allein der Viertelliter Mineralwasser 2,75 Euro, ein Bier ist ab 3,60 Euro zu haben.

Risikokapitalgeber haben hier einen milliardenschweren Markt ausgemacht und investieren viel Geld in die Start-ups. Delivery Hero, an dem die deutsche Start-up-Fabrik Rocket Internet der umstrittenen Samwer-Brüder beteiligt ist, hat jüngst Foodora übernommen, Konkurrent Deliveroo hat allein in seiner jüngsten Finanzierungsrunde 70 Millionen Dollar bekommen. Das Geschäft verspricht hohe Renditen: Die Start-ups versorgen die Restaurants mit neuen Kunden und übernehmen dafür die komplette Abwicklung der Bestellung inklusive Auslieferung und Abrechnung. Dafür bekommen sie eine Kommission, die Foodora-Mitgründer Julian Dames in einem Interview kürzlich mit 30 Prozent des Bestellwertes angegeben hat. Heute will er zur Vergütung keine Angaben mehr machen.  

Befeuert durch Kapital aus dem Silicon Valley gehören die Lieferdienste zur Sorte von Start-ups, die sich anschicken, nach und nach jede Branche zu verändern – sei es Mobilität, das Bankgeschäft, den Urlaub oder die Geschäftsreise. Nun ist das Mittag- und Abendessen dran. Das Buzzword dieser Generation extrem ehrgeiziger, meist männlicher Manager lautet disruptiv. Mithilfe des Internets wollen sie klassische Produkte oder Dienstleistungen verdrängen. Sie haben den Anspruch, mit ihren Algorithmen Geschäftsfelder völlig neu zu definieren. Die neuen Lieferdienste reihen sich in die Schlange, in der milliardenschwere Firmen wie Uber und Airbnb ganz vorne stehen.