Er ist vier Meter hoch und aus einem engmaschigen Gitter, oben rollt sich Nato-Stacheldraht mit rasiermesserscharfen Klingen. 175 Kilometer misst der neue Zaun an der ungarischen Grenze zu Serbien, unüberwindbar für Flüchtlinge. Als nächstes plant Ungarn einen Zaun zu Rumänien.

Das Nachbarland Bulgarien hat Ähnliches vor und will an der Grenze zur Türkei seinen 35 Kilometer langen Zaun um noch einmal 130 Kilometer verlängern. Auch Griechenland hat bereits einen zwölf Kilometer Zaun zur Türkei errichten lassen.

Es ist ein Millionengeschäft für die Hersteller von Stacheldraht. Allein in den Zaun an der ungarisch-serbischen Grenze investierte die Regierung rund 20 Millionen Euro. Über eine europaweite Ausschreibung suchte die Regierung in Budapest im August nach 9.000 bis 10.000 Rollen des Spezialdrahts.

Nato-Stacheldraht gilt als besonders gefährlich. Verfängt sich ein Mensch oder ein Tier in dem Zaun, sorgen zu Widerhaken geformte Metallklingen dafür, dass das Verletzungsrisiko bei jeder Bewegung steigt. Tiefe Schnittwunden sind keine Seltenheit. In der spanischen Exklave Melilla sind sogar schon Menschen an den Folgen der Begegnung mit Nato-Draht gestorben.

Den Zuschlag für den ungarischen Grenzzaun hat am Ende laut El País das spanische Unternehmen European Security Fencing (ESF) erhalten. Es soll sich um ein Millionengeschäft handeln, die Firma will sich nicht dazu äußern. Das Unternehmen aus dem andalusischen Malaga beschreibt sich selbst auf der Homepage als "einziger Nato-Draht-Hersteller in Europa" und wirbt mit seinen "passiven Sicherheitssystemen". Für Grenzanlagen bietet ESF etwa das Modell "Klingendraht 22" ("Concertina 22") an: 22 Millimeter messen die scharfen Klingen der Widerhaken. EFS wirbt offensiv mit seinen Kunden: der Türkei, Griechenland, Rumänien, Spanien. ESF-Draht sichert also vor allem EU-Außengrenzen. Insbesondere in den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika schottet sich Europa mit ESF-Draht ab.

Vom Drang der Politik, Europas Grenzen besser zu schützen, profitiert die Sicherheitsbranche enorm. Der Londoner Branchendienst Strategic Defence Intelligence (SDI) prognostiziert, dass die EU in den kommenden zehn Jahren zu einem der größten Absatzmärkte für Grenzverteidigung weltweit wird. Jährlich erwartet SDI ein Wachstum von knapp zwei Prozent. SDI schätzt, dass die Privatwirtschaft in diesem Jahr fast vier Milliarden Dollar mit dem Schutz der EU-Grenzen verdient.