Von 2014 und 2020 stellt die EU mehr als neun Milliarden Euro für die Sicherung der Grenzen zur Verfügung. Seit dem Jahr 2000 kostete die Sicherung der Außengrenzen 1,6 Milliarden. Dazu kommen rund 200 Millionen Euro für die Implementierung des IT-Systems Eurosur, 70 Millionen Euro für die Anschaffung von Zäunen in Spanien und Griechenland und zehn Millionen Euro für die Instandhaltung der Grenze der spanischen Enklaven.

Wie sehr Europas Grenzsicherung zu einem Milliardengeschäft wurde, zeigt das Datenprojekt The Migrants' Files. Ein Journalistenteam wertete monatelang zahlreiche Dokumente der EU-Kommission, der Vereinten Nationen und Zeitungsberichte aus. Am Ende bezifferte es die Kosten der EU-Einwanderungspolitik auf bis heute insgesamt 2,88 Milliarden Euro. Allein die europäische Grenzsicherungsagentur Frontex hat seit ihrer Gründung 2004 jährliche Ausgaben von rund einer Milliarde Euro.

Bei Pro Asyl stoßen diese Milliardenbeträge auf Kritik. "Betrachtet man die Summen, die von Europa in die Sicherheitsapparate fließen und vergleicht sie mit der Unterstützung zum Schutz der Menschen- oder Flüchtlingsrechte, so werden Prioritäten sichtbar", sagt der stellvertretende Geschäftsführer, Bernd Mesovic.

Zumal Unternehmen wie der Rüstungskonzern EADS sich einmischen. Wie das ARD-Magazin Report Mainz und der Spiegel im Frühjahr aufdeckten, hat die Rüstungsindustrie in den vergangenen Jahren erheblichen Einfluss auf die EU-Sicherheits- und Grenzpolitik genommen.

Im sogenannten Europäischen Sicherheitsforschungsprogramm (ESFP) beraten Sicherheitskonzerne die EU-Kommission in technischen Fragen. Die Mission des Programms ist unter anderem "die intelligente Überwachung und Grenzschutz" sowie der "Schutz der Bürgerinnen und Bürger", wie es auf der Internetseite heißt. Allein bis zum Jahr 2013 investierte die EU mehr als 50 Milliarden Euro in das ESFP. Für die Forschungsförderung im Themenbereich "Sicherheit" stellte die EU im Zeitraum von 2007 bis 2013 insgesamt 1,4 Milliarden Euro zur Verfügung.

Aufrüstung verteuert die Fluchtkosten

In verschiedenen Beratergremien zum ESFP waren Angaben des Spiegel zufolge Vertreter der Rüstungswirtschaft in leitenden Positionen zugegen. Federführend sind dabei Experten des europäischen Rüstungskonzerns EADS, zu dem auch Airbus gehört. Konzerne wie EADS und Thales sitzen auch in der aktuellen ESFP-Beratergruppe mit am Tisch und sichern sich Forschungsgelder für Drohnen- und Infrarottechnik und lukrative Geschäftsaufträge. Die Rüstungssparte des Airbus-Konzerns entwickelte Angaben der rumänischen Regierung zufolge für das Land komplette Grenzschutzsysteme. Im vergangenen Jahr musste der Konzern Schmiergeldzahlungen für Geschäfte in Rumänien und Saudi-Arabien zugeben.

Die Aufrüstung der Grenzen mag für Unternehmen ein gutes Geschäft sein. Auf der anderen Seite stiegen die Preise für die illegale Einreise, sagt Mesovic von Pro Asyl. Am Ende könnten sich nur noch die wirtschaftlich besser gestellten Flüchtlinge die Flucht leisten. Je höher die Zäune, je schneller die Schiffe, je besser die Überwachungstechnik, desto teurer wird der Service Schleuser. Die Vereinten Nationen schätzen das Volumen des weltweiten Menschenschmuggelgeschäfts auf mehrere Milliarden Dollar.

Die Schleuser finden immer neue Routen, um die hochgerüsteten Grenzen zu umgehen – und verlangen dafür höhere Preise. Und die Unternehmen fordern höhere Preise für ihren Grenzschutz mit der Begründung, ihre neue Technologie schrecke die immer besser werdenden Schleuser tatsächlich ab.

Es ist ein Wettrennen, in dem Menschen auf der Flucht nur verlieren können.