Sie schlafen in Massenunterkünften auf engstem Raum, manche müssen im Freien übernachten, sie wissen nicht, wo sie in Zukunft leben und arbeiten werden: Viele Flüchtlinge, die derzeit in Deutschland aufgenommen werden, blicken in eine ungewisse Zukunft. Nicht nur die Behörden arbeiten daran, ihnen zu helfen. Auch viele Gründer beschäftigen sich mit der Frage, wie die Flüchtlingen am besten zu unterstützen seien, schnell und unkompliziert.

Ablesen lässt sich das auch an den großen Crowdfunding-Plattformen. Das Flüchtlingsthema werde immer wichtiger, sagt etwa Anna Theil, Sprecherin von Startnext. Ihre Plattform sammelt die Startup-Projekte, die dem Nutzen der Flüchtlinge dienen sollen, auf einer eigenen Themenseite. ZEIT ONLINE stellt vier ausgewählte Projekte vor.

Workeer

Zwei Studenten suchen nach einem Thema für ihre Bachelorarbeit und starten ein Projekt für Flüchtlinge. So entstand workeer. Das Startup ist die erste Jobbörse für Geflüchtete, ihre Gründer sind David Jacob und Philipp Kühn. Die Flüchtlingskrise haben die beiden in den Nachrichten verfolgt, schnell reifte die Idee, die Sache selbst anzugehen. Gemeinsam riefen sie workeer ins Leben.

Bislang haben mehr als 900 Arbeitgeber Praktikums- und Ausbildungsplätze auf der Plattform online gestellt. Zeitgleich registrierten sich rund 750 Geflüchtete, die auf der Suche nach Arbeit sind. "Die Zahl finden wir phänomenal, besonders da wir erst seit zwei Monaten online sind", sagt Jacob.

Noch braucht es aber etwas Zeit, bis die Vermittlung wirklich in Gang kommt. Bisher sind sieben Stellen vermittelt worden, bei sechs fehlt noch die Zustimmung der Ausländerbehörde.

"Es kann ein erster Schritt sein, um sich zu integrieren, die Sprache besser zu lernen, neue Kollegen kennen zu lernen und dann vielleicht später auch eine Festanstellung zu finden", sagt Jacob über die Chancen, die workeer den Flüchtlingen vermitteln soll. Zugleich sind sie aber auch eine Chance für Deutschland, das qualifizierte Fachkräfte braucht.

Jacob und Kühn haben es sich zu Nutze gemacht, dass Geflüchtete nach drei Monaten ein Praktikum aufnehmen dürfen oder eine Ausbildung anfangen können. Nun wollen sie sehen, wie sich "workeer" dauerhaft finanzieren lässt. "Wir haben einen Nerv getroffen", meint Jacob. Und das richtige Timing hatten sie dazu.

Flüchtlinge Willkommen

Die Flüchtlingsunterkünfte sind überfüllt, die Helfer vor Ort überfordert. Um Druck von ihnen zu nehmen, entschlossen sich Mareike Geiling und Jonas Kakoschke, das Projekt "Flüchtlinge Willkommen" zu gründen. Es ist eine Wohnungsvermittlung für Geflüchtete. Privatpersonen, die gerne  Flüchtlinge aufnehmen möchten, können hier ihre Wohnung oder ein freies Zimmer anbieten.

Die Idee entstand, als Mareike Geiling 2014 beruflich nach Kairo ging und sich entschloss, ihr Zimmer für den Zeitraum einem Flüchtling zu überlassen. Die Miete finanzierte sie durch Mikrospenden von Freunden und Familie. "In dem Zeitraum haben wir Golde kennengelernt, die Sozialarbeiterin ist und mit Geflüchteten zusammengearbeitet hat", erinnert sie sich. Zusammen entwickelten sie das Konzept für "Flüchtlinge Willkommen". Insgesamt hat das Team bisher 113 Wohnungen an Flüchtlinge in Deutschland vermittelt.

Heute läuft der Prozess immer gleich ab: Zuerst meldet jemand sein freies Zimmer auf dem Portal an. Dann stellen Mareike Geiling und ihr Team einen Kontakt zu einem Flüchtling her. Viele Faktoren entscheiden letztlich darüber, wer zusammenzieht: zum Beispiel das Alter der Beteiligten oder ihre Vorgeschichte. Schließlich soll es auch menschlich passen.

Die Miete zahlt in vielen Fällen das Sozialamt, oft können die Flüchtlinge aber auch kostenlos in den Wohnungen leben. Mehr braucht es nicht, der Flüchtling kann einziehen und raus aus der Sammelunterkunft. Für Mareike Geiling und Jonas Kakoschke ist das Projekt zu einem Vollzeitjob geworden. Für das bezahlte Team arbeiten mittlerweile acht Leute. Alles wird durch Spenden finanziert.