Im aktuellen Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und der Flugbegleitergewerkschaft Ufo drohen Streiks. "Die Verhandlungen sind gescheitert. Das vorgelegte Angebot der Lufthansa ist völlig inakzeptabel", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies. Aus Arbeitsplatzgarantien seien auf einmal wachsweiche Formulierungen geworden. Am Montag wolle die Gewerkschaft mitteilen, wann Streiks anstünden. Das könne auch schon die kommende Woche betreffen, wahrscheinlicher sei aber, dass es noch ein paar Tage dauere.


Am Sonntag will die Gewerkschaft in ihren Gremien die erfolglose Verhandlungsrunde auswerten und weitere Schritte besprechen. Die Situation sei trotz eines konstruktiven Beginns der Verhandlungen in einer absoluten Sackgasse, da die Lufthansa viele der für Ufo wichtigen Punkte in einem schriftlichen Angebot nicht mehr wiederholt habe.

Die Lufthansa kritisierte den Abbruch der Tarifgespräche. Die Ankündigung der Ufo, demnächst zu Streiks aufzurufen, sei "nicht nachvollziehbar", erklärte Bettina Volkens, Vorstand Personal und Recht der Lufthansa. Schlichtungsfähige Themen würden, wie in der Agenda Kabine vorgesehen, in eine Schlichtung überführt, hieß es. Die Gespräche zu weiteren nicht schlichtungsfähigen Themen sollten parallel fortgesetzt werden.

Ende Juni hatte die Flugbegleitergewerkschaft die mittlerweile seit zwei Jahren währenden Verhandlungen schon einmal für gescheitert erklärt. Den daraufhin geplanten Streik hatte Ufo aber kurzfristig abgesagt, nachdem die Lufthansa den Flugbegleitern in wichtigen Punkten entgegengekommen war. Zuletzt hatte im September die Pilotenvereinigung Cockpit die Lufthansa bestreikt.

Bei der Vergütung hatten beide Streitparteien zuletzt um Einkommensverbesserungen gerungen: Im Raum standen für dieses Jahr eine Einmalzahlung in Höhe von 2.000 Euro für alle Kabinenmitarbeiter sowie ab 2016 und 2017 je eine Erhöhung um 1,7 Prozent für Mitarbeiter, die vor 2013 eingestellt wurden. Baublies sagte, dies habe die Lufthansa aber unter den Vorbehalt gestellt, dass 20 Prozent Personalkosten eingespart werden.

Die Gewerkschaft Ufo kämpft außerdem für die Beibehaltung der bisherigen Betriebsrente für die 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter. Vor wenigen Wochen wollte die Gewerkschaft den Konflikt mit einem neuen Vorschlag lösen, der einen Sparbeitrag in dreistelliger Millionenhöhe vorsah. Im Gegenzug sollte der Konzern garantieren, dass die Lufthansa auch im Stammgeschäft weiter wächst und keine Stellen wegfallen. Der Anlauf scheiterte. Den Gegenvorschlag der Lufthansa wies die Gewerkschaft zurück.

Die Fluggesellschaft ringt derzeit auch mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Pilotenvereinigung Cockpit um neue Tarifverträge. Umstritten ist in Teilen der Belegschaft der Ausbau des Lufthansa-Billigfliegers Eurowings, bei dem die Angestellten wesentlich weniger verdienen als bei der Lufhansa selbst. Der Tarifstreit zieht sich nun schon fast zwei Jahre hin. Die ersten Gespräche zu dieser Runde gab es im Dezember 2013.