Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft geht an den britischen Konsumforscher Angus Deaton. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften mit. Der 69-jährige Forscher beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der Entwicklungs- und Gesundheitsökonomie. Der gebürtige Schotte lehrt an der US-Eliteuniversität  Princeton.

Deaton erhalte die Auszeichnung für seine Analyse von Konsum, Armut und Wohlstand, sagte Göran Hansson, Generalsekretär der Akademie. "Der diesjährige Preis handelt von Konsum im Großen und Kleinen."

Deaton ist einer der bekanntesten Forscher auf dem Feld der Gesundheits-, Entwicklungs- und Wohlfahrtsökonomie. Er erforscht unter anderem die Ursachen von Krankheit und Armut in armen und reichen Ländern. Ein Fokus seiner Forschung lag dabei jüngst auf Indien

In einer Studie mit dem Nobelpreisträger Daniel Kahneman erforschte Deaton etwa, welchen Einfluss das Einkommen auf die Zufriedenheit eines Menschen hat. Die Autoren kamen damals zu dem Schluss, dass das subjektive Glücksgefühl ab einem Verdienst von 75.000 Dollar im Jahr nicht mehr ansteigt. Dazu sagte Deaton in einem Interview mit ZEIT ONLINE im Jahr 2012: "Ich glaube daran, dass wirtschaftliches Wachstum – und die Dinge, die damit einhergehen – sehr wichtig ist. Ein wirkliches Problem besteht allerdings darin, dass wir ziemlich schlecht messen, worin Wachstum eigentlich besteht."

So lobte nun auch das Nobelkomitee: "Um eine Wirtschaftspolitik zu entwerfen, die das Wohlergehen fördert und Armut reduziert, müssen wir zuerst die individuellen Konsumentscheidungen verstehen." Mehr als jeder andere habe Deaton dieses Verständnis verbessert. Seine Forschung sei von "immenser Bedeutung für menschliche Wohlfahrt, nicht zuletzt in armen Staaten". Für seine Ergebnisse nutzte Deaton die Befragung von Haushalten in Entwicklungsländern. Mithilfe von Daten zu den Konsumausgaben habe er Lebensstandard und Armut berechnet, erklärte die Akademie.

Seine Forschung habe dazu beigetragen, neue Ansätze für die Gebiete der Mikroökonomie und der Makroökonomie zu etablieren, die heute in Universitäten gelehrt würden und in der praktischen Politik zum Zuge kämen, teilte die Akademie weiter mit.

Nicht "blind optimistisch" sein

In einer Pressekonferenz beschrieb sich Deaton nach der Bekanntgabe als "jemanden, der sich sorgt um die Armen in der Welt, wie Menschen sich verhalten und was ihnen ein gutes Leben verschafft". Die Armut in der Welt gehe zwar zurück, doch er wolle nicht "blind optimistisch" sein. Die Hälfte der Kinder in Indien sei immer noch unterernährt.

In den 1980er Jahren beschäftigte sich Deaton unter anderem mit der Frage, wie Verbraucher ihre Ausgaben auf verschiedene Güter aufteilen – für die Politik ein wichtiges Element, um abzuschätzen, wie sich Reformen auf das Verhalten und das Wohl unterschiedlicher Gesellschaftsgruppen auswirken. 

Um das Jahr 1990 beschäftigte sich Deaton mit der Analyse von Verbraucherdaten und zeigte, dass nur die Analyse von Einzeldaten Aufschluss über die Gesamtstatistik zur Nutzung von Einkommen gibt. Diese Sichtweise hat sich seitdem weitgehend in der modernen Makroökonomie durchgesetzt. In jüngeren Analysen befasst sich Deaton damit, wie Wohlergehen und Armut am besten analysiert und gemessen werden können. Sein Fokus auf die Haushalte habe dazu beigetragen, dass die Entwicklungsökonomie stärker empirisch und auf der Grundlage detaillierter individueller Daten arbeite, erklärte die Akademie weiter.

Mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften sind bislang am häufigsten US-Ökonomen geehrt worden. 2014 war aber der Franzose Jean Tirole für seine Forschungen über Marktmacht und Regulierung mit der Auszeichnung geehrt worden.

Der Preis geht – anders als die klassischen Nobelpreise – nicht auf das Testament des Erfinders Alfred Nobel zurück. Er wird seit 1968 von der schwedischen Reichsbank gestiftet. Er heißt deshalb auch nicht offiziell Nobelpreis. Verliehen wird die mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotierte Auszeichnung gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen am 10. Dezember, dem Todestag Nobels. 

Im Video: Das Nobelpreiskomittee begründet seine Entscheidung.