Der frühere Chef des Sachverständigenrats, Bert Rürup, hat gefordert, TTIP aufzugeben. "Wenn man bei einem langen Mantel den ersten Knopf falsch einknöpft, dann kann der nicht mehr sitzen. Das ist bei TTIP passiert", sagte Rürup dem Magazin Capital. Es sei falsch gewesen, das Freihandelsabkommen geheim zu verhandeln. So sei erst das Misstrauen entstanden, aufgrund dessen viele Menschen zu Gegnern des Abkommens wurden.

Die Idee des Freihandels verteidigte Rürup. TTIP sei jedoch mehr als nur ein Abkommen über freien Waren- und Dienstleistungsverkehr. Problematisch seien vor allem die geplanten Schiedsgerichte für ausländische Investoren. Diese seien im europäischen-amerikanischen Verhältnis schlicht überflüssig, sagte Rürup. "Ich lehne es ab, wenn unser rechtsstaatliches System asymmetrisch für ausländische Investoren ausgehebelt werden kann und die Politik in ihren Handlungsmöglichkeiten stark eingeschränkt wird."

Rürup, selbst langjähriges SPD-Mitglied, riet Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zudem dazu, seine Regierungsämter aufzugeben. Nur so sei es den Sozialdemokraten möglich, klar gegen TTIP zu stimmen. Es sei gut und richtig, dass Gabriel 2018 als Bundeskanzler kandidieren wolle. Seine derzeitigen Regierungsämter schränkten aber "seine Beinfreiheit als Wahlkämpfer deutlich ein".