Klare Ansage von der Wirtschaft: Statt über Worte wie Transitzonen und Einreisezentren zu streiten, sollten Union und SPD die Flüchtlingskrise effizient lösen. "Diese Situation wird dauern und eine gewaltige Kraftanstrengung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft", sagte der Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, auf dem Tag der Deutschen Industrie in Berlin. Mehr Einigkeit in der Koalition sei unabdingbar.

Die schwarz-rote Bundesregierung habe eine große Verantwortung, sagte Grillo. Asyl sei ein Grundrecht, dafür notwendig seien geordnete Verfahren. Zwar müsse Deutschland für lange Zeit große Summen aufbringen, diese Aufwendungen brächten bei einem Gelingen aber langfristig Nutzen, sagte Grillo. Zentrale Herausforderung sei es, möglichst viele Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Derzeit gebe es rund 600.000 offene Stellen. Und dies seien nur die, die ausgeschrieben seien.

Je schneller Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert würden, desto schneller zahlten sie Steuern und Sozialabgaben. Der Verbandschef mahnte aber Realismus an: "Weder Sprachkenntnis noch Qualifikation können herbeigewünscht werden."

Kurz erklärt - Transitzone versus Einreisezentren

Das gegenwärtige Wirtschaftswachstum in Deutschland sei kein Selbstläufer, der Aufschwung sei nicht nachhaltig genug, sagte Grillo. Für dieses Jahr erwartet der BDI jedoch weiter ein Konjunkturplus von bis zu zwei Prozent. Er ist damit optimistischer als die Bundesregierung und Teile der Wirtschaft.

Mit Blick auf den VW-Abgas-Skandal sagte Grillo, er sei davon überzeugt, dass sich Volkswagen unter der neuen Führung der eigenen Verantwortung für den Ruf der deutschen Industrie "voll und ganz bewusst" sei. Schadenfreude anderer Unternehmen sei völlig unangebracht. Der Fall müsse für die gesamte Wirtschaft Konsequenzen haben. "Nachlässigkeit schwächt, Fehlverhalten wird hart bestraft", sagte Grillo. "Auch wir Unternehmer und Manager müssen raus aus der Komfortzone."

Merkel warnt vor Kleingeistigkeit

Kanzlerin Angela Merkel stellte das gute Image der deutschen Wirtschaft in den Vordergrund: Made in Germany sei ein Gütezeichen, sagte die CDU-Chefin bei dem Treffen. "Daran ändern auch die Vorfälle bei Volkswagen nichts." Allerdings müsse man auf  transparente und schnelle Aufklärung bestehen.

In der Flüchtlingsdebatte warnte sie vor zu kleinteiligen Lösungsversuchen. Die Herausforderung lasse sich nicht an der deutsch-österreichischen Grenze bewältigen. Die etwa 1.200 Manager im Saal rief sie auf, über ihre Kontakte im Ausland für eine gemeinsame Antwort auf die Herausforderungen zu werben. "Denn die, die heute in Europa meinen, sie seien davon nicht betroffen, werden morgen in irgendeiner Weise davon betroffen sein – und sei es, indem man die Einheit Europas infrage stellt", sagte Merkel. Sie warb erneut für eine faire Verteilung der Flüchtlinge in Europa.

Angela Merkel forderte eine umfassende Lösung für die Flüchtlingskrise, wie dieses Video zeigt: