Kurz vor dem Klimagipfel in Paris ist die deutsche Delegation auf dem Weg nach Paris aufgehalten worden. Eine Gruppe radikaler Klimaaktivisten stoppte einen Sonderzug der Bahn mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) an Bord auf dem Weg nach Paris. Während eines planmäßigen Halts im Frankfurter Hauptbahnhof ließen sich ein Mann und zwei Frauen mit Seilen auf das Dach des ICE herab. Insgesamt vier weitere Aktivisten hatten sich vor dem Zug an den Gleisen festgekettet. Ein Mitglied der Gruppe rief vom Dach des Zuges, die Teilnehmer des Klimagipfels in Paris seien "nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems".

Die Aktivisten trugen nach Informationen von ZEIT ONLINE Flugblätter bei sich, auf denen es heißt, der Klimagipfel sei ein Spektakel, das Interesse am Klimaschutz nur vortäusche. Hendricks habe versucht, mit den Aktivisten zu sprechen, dies sei aber erfolglos geblieben. Die Fahrt des Zuges konnte nach knapp drei Stunden fortgesetzt werden.

Hendricks und hochrangige Mitglieder der deutschen Delegation sollten ursprünglich am frühen Samstagabend in Paris ankommen. "Die kommenden Tage werden entscheidend für den Klimaschutz", sagte Hendricks laut ihrem Ministerium vor der Abfahrt. "Ich hoffe, sie werden historisch." Sie wird dort gemeinsam mit rund 150 Staats- und Regierungschefs, darunter US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), am Auftakt der zwölftägigen Verhandlungen am Montag teilnehmen.

Merkel (CDU) setzt beim Weltklimagipfel vor allem auf die verbindliche Vereinbarung von Folgeprozessen. Wenn man das erreiche, sei zumindest ein Pfad eingeschlagen, der "noch glaubwürdig vervollständigt" werden müsse, aber ein Anfang wäre gemacht, sagte die Kanzlerin in ihrem Internet-Podcast. Merkel verwies darauf, dass viele Staaten im Vorfeld des Gipfels eigene Reduktionsziele bei den CO2-Emissionen vorgeschlagen hätten. Zudem habe China mit dem Jahr 2030 jetzt zum ersten Mal einen Reduktionszeitpunkt genannt. Damit sei ein neuer Zeitabschnitt eingeläutet. Die Industrieländer hätten die Aufgabe, Technologien zu entwickeln, von denen dann auch Schwellen- und Entwicklungsländer Gebrauch machen könnten, fügte die Kanzlerin hinzu. Ziel der Klimakonferenz ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen und die Erderwärmung zu stoppen.

Klima-Konferenzzentrum an UN übergeben

Unterdessen hat Frankreichs Außenminister Laurent Fabius das Gelände für die Weltklimakonferenz an die Vereinten Nationen übergeben. UN-Klimachefin Christiana Figueres nahm in Le Bourget bei Paris symbolisch den Schlüssel für das Konferenzzentrum entgegen.

In Paris wird während der Konferenz ein Verkehrschaos erwartet. Von Montag an sollen Delegierte aus 195 Ländern in zwei Plenarsälen über ein Abkommen zum Klimaschutz verhandeln. Viele Delegationen kommen aber schon vorher an, weshalb die Polizei ab Sonntag wichtige Verkehrsachsen quer durch die Hauptstadt zwischen den Flughäfen Charles-de-Gaulle im Norden und Orly im Süden – darunter Teile der immens verkehrsstarken Stadtautobahn – komplett für die Fahrzeugkolonnen dieser Besucher gesperrt hat. Wegen der strikten Sicherheitsvorkehrungen sollen die Pariser am Sonntag und Montag ihre Autos stehen lassen – und auch den öffentlichen Nahverkehr nicht nutzen, empfiehlt die Polizei.

Mehr als 15.600 Polizisten und Soldaten werden während der Klimakonferenz, die bis zum 11. Dezember dauert, im Einsatz sein. Allein 2.800 Polizisten sollen den Veranstaltungsort in Le Bourget absichern. Dabei hatten die französischen Behörden nach der islamistischen Anschlagsserie mit 130 Toten bereits eine Reihe von Veranstaltungen und Demonstrationen zum Thema Klima abgesagt. Denn die Gefahr eines neuen Anschlags in Paris gilt als hoch.