Das Steueraufkommen im kommenden Jahr fällt laut der aktuellen Schätzung um 5,2 Milliarden Euro niedriger aus, als noch im Mai vorhergesagt. Für dieses Jahr rechnen die Steuerschätzer allerdings mit einem Plus von 5,2 Milliarden Euro im Vergleich zur Mai-Schätzung. In den Jahren 2017 bis 2019 könne der Staat wieder mit insgesamt 4,8 Milliarden Euro mehr Einnahmen rechnen, als zuletzt erwartet. Grund dafür seien die stabile Konjunktur und Beschäftigung.

Das geringe Einnahmeplus 2016 sei vor allem Folge der Steuersenkungen sowie Entlastungen für Familien, aber auch von Urteilen der Finanzgerichte zugunsten von Unternehmen, hieß es in der Mitteilung. Vor allem der Bund, aber auch die Kommunen werden im kommenden Jahr auf Einnahmen verzichten müssen. Die Länder sollen den Experten zufolge hingegen etwas mehr einnehmen.

Nach der Einnahmedelle im nächsten Jahr sollen die Steuereinnahmen Jahr für Jahr auf immer neue Rekordwerte klettern. Die aktuelle Prognose war wegen der schwer vorhersehbaren Auswirkungen der Flüchtlingskrise sowie des VW-Abgasskandals auf das Steueraufkommen schwierig.

"Mithilfe des Überschusses aus diesem Jahr können wir nach heutigem Stand auch 2016 ohne neue Schulden auskommen", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei der Vorlage der neuen Steuerschätzung. "Der deutsche Staat ist solide finanziert und handlungsfähig. Angesichts der Herausforderungen, vor denen wir stehen, ist das von entscheidender Bedeutung."

Bei der Schätzung im Mai hatten die Experten deutliche Steuermehreinnahmen für dieses, aber auch für die kommenden Jahre veranschlagt. Für 2015 rechneten die Experten mit Steuereinnahmen von 666,5 Milliarden Euro. Das sei ein Zusatzplus von 6,3 Milliarden Euro im Vergleich zu den Prognosen von November, hieß es.

Dem seit 1955 existierenden Arbeitskreis Steuerschätzungen, der das Gutachten erstellt, gehören neben Vertretern der Finanzministerien noch weitere Experten aus Wirtschaftsinstituten und Behörden an. Der Arbeitskreis schätzt jeweils im Mai und November jedes Jahres die künftigen Steuereinnahmen. Die Prognosen sind Grundlage der Haushaltsplanung von Bund, Ländern und Kommunen. Über die Treffsicherheit der Schätzer wird seit Jahren gestritten. Die nun veröffentlichte Prognose ist die Berechnungsbasis, auf der ins neue Jahr gestartet wird.