Die falschen CO2-Angaben bei Volkswagen betreffen nach Angaben der Bundesregierung auch 98.000 Benzinfahrzeuge. Das sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im Bundestag. VW habe das Ministerium "in Kenntnis gesetzt, dass 800.000 Fahrzeuge von Volkswagen bei Verbrauch und CO2-Emission nicht den realen Werten entsprechen", sagte Dobrindt. Weiter habe VW nun mitgeteilt, dass darunter 98.000 Benzin-Fahrzeuge seien.

VW hatte noch am Dienstagabend mitgeteilt, bei Werten zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) gebe es "Unregelmäßigkeiten". Die neuen Fälle beträfen hauptsächlich Dieselautos, aber auch eine "geringe Anzahl" von Benzinern, hatte es bisher geheißen.

Die US-Rating-Agentur Moodys hat auf die Unregelmäßigkeiten bei den angegebenen Werten zum CO2-Ausstoß reagiert und die Kreditwürdigkeit von VW herabgestuft. Dies entspreche den wachsenden Risiken für die Reputation und die Gewinnchancen des Unternehmens, teilte Moodys mit. Moodys bewertet nun langfristige VW-Anleihen und kurzfristige Schuldpapiere als etwas weniger sicher, ebenso wie nachrangige Noten, die von der Finanztochter herausgegeben und vom Unternehmen garantiert werden.

Bisher ging es in der Abgas-Affäre, die Mitte September bekannt wurde, ausschließlich um Manipulationen bei Stickoxid-Werten. CO2 ist zwar unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und wesentlich für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Die CO2-Grenzwerte sind in der EU in den vergangenen Jahren nach schwierigen Verhandlungen verschärft worden. 

Die Grünen verdächtigen VW daher auch der Steuerhinterziehung. Steuerpolitikerin Lisa Paus sagte im Bundestag: "Es sieht danach aus, dass VW sich durch zu niedrig angegebene CO2-Werte der Steuerhinterziehung schuldig gemacht hat." Die Finanzbehörden müssten Ermittlungen gegen VW einleiten. Dem Staat seien durch die falschen CO2-Abgaswerte und die daraus folgende unzutreffende Festsetzung der Kfz-Steuer womöglich Millionen-Einnahmen entgangen, so Paus.

Die Bundesregierung will Volkswagen zur Übernahme anfallender höherer Kfz-Steuern wegen gefälschter CO2-Werte zwingen. "Wir arbeiten an einer Gesetzgebung, die dafür sorgt, dass nicht der Kunde durch diese Mehrkosten belastet wird, sondern der Volkswagen-Konzern", sagte Dobrindt. Der Konzern müsse zudem ein Kundenbetreuungszentrum einrichten. Es solle die Kundeninteressen gegenüber Volkswagen "vollumfänglich" wahrnehmen. Dies habe VW zugesagt.

Die Kfz-Steuer richtet sich in Deutschland nach dem CO2-Ausstoß. Wenn dieser verfälscht wurde, muss auch die Steuer neu berechnet werden, die im Normalfall der Fahrzeughalter zahlen muss. Dobrindt sagte, die höhere Steuer sei auch rückwirkend fällig. Er arbeite hier mit dem Finanzministerium an der Gesetzgebung, die VW in die Pflicht nehme.

Im September hatte der Konzern bereits einräumen müssen, dass bei rund elf Millionen Dieselfahrzeugen Software eingesetzt war, die die Abgaswerte manipulierte. In Deutschland geht es um rund 2,4 Millionen Fahrzeuge. Alle betroffenen Wagen müssen umgerüstet werden.

Rückruf von fast 92.000 Autos in den USA

Bekannt geworden war der Skandal in den USA. Dort musste Volkswagen nun 91.800 Fahrzeuge wegen eines Defekts an der Nockenwelle in die Werkstätten zurückrufen. Betroffen von dem freiwilligen Rückruf seien unter anderem Benziner vom Typ Jetta, Passat, Beetle und Golf der Modelljahre 2015 und 2016, wie die US-Tochter von VW mitteilte. Der Defekt an der Nockenwelle kann den Angaben zufolge zu einer Schwächung der Bremsen führen, was das Unfallrisiko erhöhe.