Der seit 2010 andauernde Preisanstieg bei Wohnimmobilien in Deutschland wird sich nach Ansicht von Experten auch im kommenden Jahr fortsetzen. Verantwortlich dafür sei die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "In ein paar Jahren drohen an den Finanz- und Immobilienmärkten wieder Blasen, deren Platzen große wirtschaftliche Schäden verursachen." Grund für die Entwicklung sei vor allem die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Denn einerseits kann Wohneigentum derzeit extrem günstig finanziert werden, andererseits legen Investoren aufgrund mangelnder Alternativen in Aktien oder eben in Immobilien an.

Die Deutsche Bundesbank hatte kürzlich bestätigt, dass sich der Preisauftrieb auf dem Immobilienmarkt im Jahresverlauf 2015 wieder verstärkt habe. "Je länger niedrige Zinsen andauern, umso mehr bestehen für die Marktteilnehmer Anreize, erhöhte Risiken einzugehen", sagte die Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch. Ein Ende des seit 2010 anhaltenden Aufwärtstrends ist laut Bundesbank nicht in Sicht.

Allerdings mehren sich Stimmen, die vor Übertreibungen warnen. Die Bundesbank stuft das Risiko einer Preiskorrektur bei gleichzeitig starken Ausfällen von Krediten gegenwärtig als gering ein. Bisher gebe es bei Wohnimmobilien keine Blasen – auch, weil die Preissteigerung nicht auf Kredit finanziert werde und Immobilienkredite weiterhin auf moderatem Niveau wüchsen.

Auch Jochen Möbert von der Deutschen Bank rechnet angesichts der hohen Nachfrage vor allem in Großstädten und Ballungsgebieten mit weiter steigenden Hauspreisen, sollte das Angebot an Immobilien nicht ausgeweitet werden. Die Verteuerung könne sich sogar massiv beschleunigen, warnt Möbert, "denn Investoren sind händeringend auf der Suche nach sicheren und doch einigermaßen renditeträchtigen Anlagen".

Die Ratingagentur Standard & Poor's erwartet, dass die Immobilienpreise in Deutschland in den kommenden Jahren weiter steigen, hält eine Blase aber für unwahrscheinlich. Zwar hätten sich Immobilien schon in den vergangenen sechs Jahren deutschlandweit durchschnittlich um 20 Prozent verteuert – in den sieben größten Städten Deutschlands sogar um 46 Prozent. Allerdings sei das Niveau zuvor sehr niedrig gewesen. Im internationalen Vergleich seien selbst die deutschen Städte noch immer nicht teuer.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist eine gute Nachricht für Menschen, die bereits eigenen Wohnraum besitzen: Ihre Immobilie gewinnt tendenziell an Wert. Und auch die Finanzierung eines Eigenheims ist momentan gut zu machen. Denn selten war es so günstig, den Haus- oder Wohnungskauf zu finanzieren. "Die Zinsen für Wohnungsbaukredite an private Haushalte sind auf einem historisch niedrigen Niveau", sagt Franz Eilers vom Verband deutscher Pfandbriefbanken.

Die Postbank warnt aber bereits vor möglicherweise bald steigenden Baugeldzinsen. Allzu schnell dürfte die Entwicklung aber nicht verlaufen, denn die EZB hat angekündigt, den Leitzins noch lange auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent zu belassen.