Binnen 24 Stunden war im südostindischen Chennai doppelt so viel Regen gefallen wie sonst im gesamten Monat Dezember. Da das Wasser wegen verstopfter Kanäle nicht abfloss, stand die Stadt im Nu unter Wasser. In Indiens viertgrößter Stadt ertranken mindestens 325 Menschen. Indiens Umweltminister Prakash Javadekar hat nun einen Schuldigen für die verheerende Überschwemmung gefunden: "Was in Chennai geschieht, ist das Ergebnis dessen, was seit 150 Jahren in der entwickelten Welt passiert ist. Dies hat den Temperaturanstieg von 0,8 Grad verursacht." Dies sagte er kurz vor seiner Abreise zur  Klimakonferenz in Paris der in Chennai erscheinenden Zeitung The Hindu.

Auf dem Klimagipfel ist bereits der Direktor des Potsdam-Instituts, Hans Joachim Schellnhuber. Der Klimaforscher, der auch an der Umweltenzyklika von Papst Franziskus mitgearbeitet hat, beschuldigte Indien einer fehlgeleiteten Politik. Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte er, Indien meine wohl, dass es seine Entwicklung nur mit billiger, schmutziger Kohle vorantreiben könne. Dabei sei die Verschmutzung im Land größer als in China, wo bereits ein Umdenken begonnen habe. Das jetzige Entwicklungsmodell Indiens sei schädlich für den Planeten. Dass Indien besonders viel Unterstützung aus dem Ausland fordere, sei aus der historischen Verantwortung des Westens heraus angemessen. Vor allem müsse es einen Zugang zu den neuen Technologien möglichst ohne die Zinsgebühren geben.


Derzeit versuchen Delegierte aus aller Welt, sich in Paris auf einen Weltklimavertrag zu verständigen. Die Verhandlungen gestalten sich zäh. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer wollen sich beim Klimaschutz beteiligen, fordern aber dafür wie Indien finanzielle Hilfe aus dem Ausland. Die Milliarden sollen sowohl in die Förderung erneuerbarer Energien als auch in die Anpassung an die Folgen des Klimawandels fließen. Indien gehört zu den Ländern, die am meisten unter den sich verstärkenden Wirbelstürmen, Dürren und Fluten leiden.