Mark Zuckerberg wird 99 Prozent seines Facebook-Aktien-Vermögens in eine Stiftung einbringen. Es ist ein großer Schritt, beeindruckend und doch nicht überraschend. Denn wer Mark Zuckerberg über die Jahre beobachtet hat, der sieht zwei wiederkehrende Charakterzüge.

Erstens ist der Facebook-Gründer schon immer mehr an Gestaltungsmacht als an Geld interessiert gewesen, und zwar an beiden Teilen des Wortes, an Macht und an Gestaltung. Über die Jahre hat er sich in seinem Streben danach oft rücksichtslos verhalten, hat Weggefährten verstoßen, hinter sich gelassen und sie, wenn sie wegen Zuckerbergs Methoden klagen wollten, mit Geld abgefunden. Das alles war ihm, gemessen an seinem Ziel, ziemlich unwichtig, und diesem ersten großen Ziel ist er inzwischen sehr nahe gekommen: die Welt auf einem Kommunikationsmedium, einem von ihm kontrollierten Medium, zusammenzubringen. Dabei war er in der Öffentlichkeit immer bei sich, seine Auftritte stets eine Mischung aus Idealismus und Machiavelli.

Eine zweite Konstante im Unternehmerleben von Mark Zuckerberg ist seine Bewunderung für Bill Gates. Ihn hat er schon treffen wollen und getroffen, da war Facebook noch ein hoffnungsvolles Start-up. Ihm eifert er nach, ihn zitiert er als Vorbild. Als Bill Gates, der Gründer von Microsoft, nun vor einigen Tagen, zum Beginn des Klimagipfels, eine Gruppe von Milliardären um sich versammelt hatte, die zusagte, Milliarden in erneuerbare Energien zu stecken, in die Forschung, in Vorhaben, die ohne einen geduldigen Großfinanzier scheitern würden, da war natürlich auch Mark Zuckerberg dabei.

Drang zu Experimenten

Was soll also nun eine eigene Stiftung? So früh in seinem Leben? Zuckerberg hat offensichtlich neuen Gestaltungsdrang, er schließt sich Bill Gates gerne an, aber künftig will er offenbar auch eigene Großprojekte fördern. Das verbindet ihn mit Männern wie den Google-Gründern Sergej Brin und Larry Page. Doch die haben sich anders organisiert, sie leben ihren Drang innerhalb ihres Konzerns Alphabet aus, in dem sie neben ihrer Suchmaschine einfach ein neues Experimentierfeld nach dem anderen aufmachen.

Die Kontrolle über Facebook wird Mark Zuckerberg trotzdem nicht aufgeben, denn den Vorsitz der Stiftung übernimmt er selbst. Der Stifter Zuckerberg kontrolliert also demnächst den CEO Zuckerberg. Aber das Geld wird für ein paar neue Ideen eingesetzt.