Einfuhrverbote, Visapflicht und eingeschränkter Flugverkehr: Russland hat die Sanktionsliste gegen die Türkei veröffentlicht. Als Reaktion auf den Abschuss eines russischen Kampfjets vor einer Woche verbietet die Regierung in Moskau ab dem 1. Januar unter anderem die Einfuhr von Hühner- und Putenfleisch, Tomaten, Apfelsinen, Weintrauben und Salz aus der Türkei. Zum selben Datum tritt eine Visapflicht für Türken in Kraft.

Zwischen Russland und der Türkei bestand seit April 2011 visafreier Reiseverkehr, den vor allem Touristen nutzten. Zuletzt reisten pro Jahr etwa vier Millionen Russen in die Türkei – die zweitgrößte Gruppe nach den Deutschen. Bis auf die Heimflüge russischer Touristen stellt Russland nun auch alle Charterflüge zwischen beiden Ländern ein.

Darüber hinaus verbietet die Sanktionsliste russischen Unternehmen, türkische Staatsbürger einzustellen. Das gilt auch für Sportvereine. Türkische Baufirmen brauchen künftig für Arbeiten in Russland eine Sondergenehmigung. Außerdem stellt die Regierung in Moskau die Tätigkeit einer bilateralen Regierungskommission ein und stoppt vorerst ein geplantes Abkommen über den gemeinsamen Handel. Das Projekt eines russisch-türkischen Investitionsfonds wird ebenfalls eingefroren.

Keine Erwähnung in der Sanktionsliste finden zwei Energieprojekte der russischen Regierung: der Bau eines Atomkraftwerks in der Türkei und die geplante Gas-Pipeline Turkish Stream. Jedoch steht das Projekt auf der Kippe: Aus Kreisen des staatlich kontrollierten Energiekonzerns Gazprom hieß es, das geplante Pipeline-Projekt könnte gestoppt werden. Ein Gazprom-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, ergänzte: "Wir hoffen immer noch, dass sich Turkish Stream nur um ein paar Jahre verschiebt und nicht komplett beendet wird." Der russische Konzern wollte sich nicht dazu äußern.

Russlands Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew hatte im vergangenen Monat gesagt, Turkish Stream zähle zu den Projekten, die mit Sanktionen belegt werden könnten.