Saudi-Arabien leidet unter dem schwachen Ölpreis: Der Staatshaushalt werde das Jahr mit einem Rekordminus von 98 Milliarden Dollar (89,4 Milliarden Euro) abschließen, teilte das Finanzministerium mit. Die Einnahmen beliefen sich auf schätzungsweise 608 Milliarden Riyal (148 Milliarden Euro), etwa 15 Prozent weniger als erwartet und 42 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Ausgaben summierten sich hingegen auf voraussichtlich 975 Milliarden Riyal, erklärten Vertreter des Ministeriums auf einer Pressekonferenz in Riad.

Es ist das zweite Jahr in Folge, dass der weltgrößte Ölexporteur ein Minus im Staatshaushalt verbuchen muss. Für das Jahr 2016 erwartet das Königreich ein Budgetdefizit von 326 Milliarden Rial (79 Milliarden Euro), wie die Regierung bekannt gab. Die Ausgaben für das kommende Jahr schätzt sie auf knapp 840 Milliarden Riyal, die Einnahmen aber nur auf rund 513 Milliarden Riyal.

Die Regierung will nun mit einer Reduzierung der Ausgaben reagieren und versuchen, mehr Einnahmen außerhalb des Ölsektors zu generieren. Der Benzinpreis soll zum Teil um 50 Prozent steigen, das gelte bereits ab Dienstag. Zudem würden die Subventionen für Wasser, Strom und Ölprodukte angepasst, teilte das Finanzministerium mit. Zusätzlich würden Steuern beispielsweise auf Erfrischungsgetränke und Tabak angehoben. Außerdem plant die Regierung Strukturreformen, darunter die Privatisierung einer Reihe von Wirtschaftsbereichen.

Die Haushaltsplanung lässt darauf schließen, dass Saudi-Arabien nicht mit einer schnellen Erholung des Ölpreises rechnet, sondern eine jahrelange Periode billigen Öls erwartet. Saudi-Arabien ist der weltweit größte Rohölexporteur. Nach Angaben von Al-Arabija stammen etwa drei Viertel der saudischen Einkünfte aus Ölexporten. Dem Sender zufolge basieren die Budgetkalkulationen für 2016 auf einem Preis von 45 Dollar pro Barrel Rohöl. Derzeit liegt der Ölpreis bei etwas unter 40 Dollar.

Bislang besaß Saudi-Arabien Währungsreserven in Höhe von fast 730 Milliarden Dollar. Dies ermöglicht es dem Land, an seiner Ölpolitik festzuhalten und die Exporte nicht zu drosseln. Die Saudis setzen darauf, mit langem Atem ihre Marktanteile zu verteidigen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte bereits im Oktober ein Umsteuern in dem Land angemahnt und darauf verwiesen, dass Saudi-Arabien andernfalls innerhalb von fünf Jahren das Geld ausgehen könnte. König Salman zeigte sich optimistisch, dass sein Land die anstehenden tiefgreifenden Reformen schaffen werde: "Unsere Wirtschaft hat das Potenzial, diese Herausforderung zu bestehen", sagte er.