Dass der Staat massiv in eine gute Ausbildung investiert, nützt den jungen Leuten wenig. "Die Regierung kann den rund 500.000 Hochschulabsolventen, die jährlich auf den Arbeitsmarkt drängen, keine adäquaten Jobs anbieten", sagt Sebastian Sons, Saudi-Arabien-Fachmann der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Der Staatsdienst, der sonst als Auffangbecken diente, wird wegen des Sparkurses immer unattraktiver. "So wiederum wächst die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, weil mit dem fehlenden passenden Job auch der soziale Status sinkt", sagt Sons. Junge Männer könnten dann keine Wohnung mehr kaufen oder das Brautgeld zahlen: all das, was typischerweise in Saudi-Arabien zur Familiengründung dazugehört, ist ihnen verwehrt.

Die Regierung weiß seit Langem um die gesellschaftspolitische Brisanz des Themas. Vor vier Jahren hat sie ein sogenanntes Saudisierungsprogramm (Nidaqat) aufgelegt. Unternehmen sollen vor allem Saudis anstellen – und so dafür sorgen, dass die Zahl der sechs bis acht Millionen Gastarbeiter, die meisten aus Pakistan und Indien, sinkt. Wer besonders viele Saudis beschäftigt, erhält Prämien, bei Nichterfüllung gibt es Auflagen. "Das Problem ist, dass saudische Arbeitnehmer oft zu teuer und zu schlecht qualifiziert sind", sagt Sons. Ungewollt ist so eine große Schattenwirtschaft entstanden: Unternehmer stellten Saudis an – aber nur auf dem Papier. 

Wie schwer es der Regierung fällt, den Wandel voranzutreiben, zeigt die Taxifahrer-Branche. Mit vielen Anreizen versuchte die Regierung vor einigen Jahren, die ausländischen Taxifahrer durch Saudis zu ersetzen. Sie führte Pflichtquoten ein, versprach Finanzzuschüsse. Doch kaum ein Einheimischer bewarb sich. Als saudischer Taxifahrer für andere Saudis zu arbeiten, sei verpönt, sagt Sons. "Um einen wirtschaftlichen Wandel des Landes voranzutreiben, braucht es zugleich einen Mentalitätswandel." Der aber lässt sich nur schwer erreichen.