Das könnte ein wenig Entwicklung gut gebrauchen. El Salvador ist arm. Zwar produzieren Textilbetriebe und Agrarplantagen für den Export, und Call Center bieten ausländischen Auftraggebern ihre Dienste an. Doch das Geschäft funktioniert nur mit Niedriglöhnen. Auf dem Land leben immer noch viele Menschen als kleine Bauern von dem, was ihr Feld so hergibt. Bandenkämpfe und Drogengewalt machen El Salvador auch mehr als 20 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs zu einem der gewalttätigsten Länder der Welt. Viele Gewaltverbrechen bleiben unbestraft.

Der Kampf von OceanaGold um seine Mine scheint die Spannungen noch anzuheizen. "OceanaGold versucht mit allen Mitteln, eine Abbaulizenz zu erzwingen", sagt Christian Wimberger von der Christlichen Initiative Romero, der im vergangenen Jahr die Gegend besucht hat. Über eine Stiftung verteile Oceana Wohltaten unter der Bevölkerung, etwa kostenlose Arztbesuche. Lokale Beamte und Politiker würden Aktivisten zufolge gekauft.

Während in anderen Departments El Salvadors die Bevölkerung nahezu geschlossen gegen den Bergbau gestimmt hat, sind die Leute in Cabañas mittlerweile gespalten. Der Anwalt Marcos Orellana sagt, Oceana verfolge dort eine Strategie des "teile und herrsche". In einem Land wie El Salvador, das sich immer noch vom Bürgerkrieg erhole, "ist das ein unverantwortliches Vorgehen. Es ist, als ob man in einer Tankstelle mit Feuer spielt."

Für Orellana ist die Klage vor dem Schiedsgericht schlicht "Erpressung". Durch das Verfahren liege die gesamte Umweltpolitik El Salvadors, die mit dem Bergbau zu tun habe, auf Eis. "Dahinter steckt eine ganz grundlegende Frage: Können Regierungen ihre Bürger schützen, so wie es die Verfassung vorsieht, ihr Trinkwasser garantieren, die Sicherheit ihrer Umwelt? Das Schiedsgerichtsverfahren gefährdet das alles."

Der Anwalt sagt, die Ansprüche Oceanas seien "willkürlich und durch nichts legitimiert". Für seine Sicht spricht, dass die Richter vor drei Jahren schon die Schadenersatzklage auf Basis des Freihandelsabkommens Cafta ablehnten. Jetzt wird nur noch auf Grundlage der nationalen Gesetze verhandelt. Orellana sieht gute Chancen, den Fall endgültig zu gewinnen.