ZEIT ONLINE:
In den fünfziger und sechziger Jahren wurde an den europäischen Grenzen noch streng kontrolliert, trotzdem war das für Deutschland eine Zeit mit hohen Wachstumsraten.

Börner:
Ich komme ja aus Bayern. Hier in Ingolstadt sitzen Audi, Airbus und viele Zulieferer. Die dort arbeiten, wissen alle, dass wir auf offene Grenzen angewiesen sind und dass die Geschäfte massiv unter Grenzkontrollen leiden würden.

ZEIT ONLINE: Wenn dem so ist: Warum bekommt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer mit seiner Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik in Bayern so viel Zustimmung?

Börner: Das ist bayerische Mentalität. Die ist für einen Nichtbayern nicht immer verständlich. Auch Horst Seehofer weiß, was auf dem Spiel steht. Mit seinen Forderungen will er lediglich den Druck auf die Kanzlerin und auch auf Brüssel erhöhen, endlich einen tragfähigen Kompromiss zu finden. Ein CSU-Bürgermeister hat mir mal gesagt: Ein bayerischer Ministerpräsident muss per Definition gegen den EU-Beitritt der Türkei sein oder sich gegen die EU aussprechen, damit er wählbar ist. Aber in Wirklichkeit meint er es gar nicht so. Bei Seehofer ist das nicht anders.

ZEIT ONLINE: Seehofer will in Wahrheit keine Obergrenze?

Börner: Er weiß, dass das nicht machbar ist. Aber er muss im Hintergrund populistische Parteien abwehren.

ZEIT ONLINE:
Im Frühjahr wird die Zahl der Flüchtlinge wieder ansteigen. Verkraftet Deutschland eine weitere Million?

Börner: Ja, eindeutig ja. Wir können diese Menschen gebrauchen. In unserer Region gibt es kaum noch Arbeitskräfte. Wir haben bereits fünf ehemaligen Flüchtlingen Arbeit gegeben, aber wir können noch viel mehr gebrauchen. Ein befreundeter Bauunternehmer hat bereits elf eingestellt. Nach nur zwei Monaten hätten die Menschen genug deutsch gesprochen, um auf der Baustelle zu helfen, sagt er.

Wer sich nicht integrieren will, wer unsere Werte und Normen nicht akzeptieren will, muss gehen
Anton Börner

ZEIT ONLINE: Ist das nicht alles etwas zu rosarot?

Börner:
Natürlich müssen wir zwischen denen unterschieden, die ein Anrecht auf Asyl haben, und denen, die nur aus ökonomischen Gründen kommen. Deshalb müssen alle Flüchtlinge kontrolliert und registriert werden. Wer keinen Asylanspruch hat, wird wieder abgeschoben – und zwar zeitnah. Mir ist klar, dass das zu unschönen Bildern führen wird, aber das kann man nicht ändern. Alle anderen müssen verpflichtende Integrationskurse erhalten. Sie müssen unsere Sprache lernen, am besten gleich vom ersten Tag an. Und wer sich nicht integrieren will, wer unsere Werte und Normen nicht akzeptieren will, muss ebenfalls gehen.

ZEIT ONLINE:
Wenn man Ihnen zuhört, klingt es fast so, als wäre die Flüchtlingsproblematik ein Segen für die deutsche Wirtschaft.

Börner: Kein Segen, aber eine Chance. Und diese Chance sollten wir nutzen.

ZEIT ONLINE: Viele Bürger sehen in den Flüchtlingen vielmehr eine Gefahr für Deutschland. Die AfD liegt in Umfragen mittlerweile bei über zehn Prozent.

Börner: Angst ist ein klassisches deutsches Phänomen. Die Deutschen haben fast immer vor allem Angst. Das muss man erst mal erkennen und dann die Gründe für die Angst ausräumen. Ein wichtiger Punkt ist dabei: Der Staat muss den Bürgern signalisieren, dass er sie beschützt.