Das Urteil fiel aus wie erwartet und wird doch lange nachhallen. Das Landgericht München hat fünf hochrangige Manager der Deutschen Bank, unter ihnen Co-Chef Jürgen Fitschen, freigesprochen. Die Anklage hatte ihnen vorgeworfen, sich vor Jahren in einem Zivilprozess abgesprochen zu haben, um ihrer Bank eine hohe Strafzahlung zu ersparen. Für fast alle Manager forderten die Staatsanwälte Freiheitsstrafen, doch von ihren Anschuldigungen blieb nach einem Jahr Verhandlung kein Stück übrig. Für die These gebe es keinerlei Beleg, befand Richter Peter Noll. "Man sieht nichts, man hört nichts, man riecht nichts, man kann daraus eigentlich nur schließen: Es gibt nichts", sagte er.

Das Urteil ist ein Desaster für die Ankläger, eines mit Ansage. Es ist zudem ein Einschnitt für die deutsche Justiz, wenn es um die strafrechtliche Verfolgung hochrangiger Bankmanager geht – wegen der Prominenz der Angeklagten, wegen der großen Eindeutigkeit des Freispruchs und wegen des im Verfahren zutage getretenen, teils absurden Verfolgungseifers der Staatsanwaltschaft. In der juristischen Auseinandersetzung mit "denen da oben" markierte der Prozess einen Höhepunkt. Nun fügt er sich in die lange Reihe jener Verfahren ein, die mit lautem Trubel starteten und mit leisen Tönen endeten. Sein Ausgang mahnt alle, einmal tief Luft zu holen.

Staatsanwälte sollten sich künftig mehr Gedanken machen, bevor sie Anklage erheben – auf dass die Erfolgsaussichten steigen. Und die Medien sollten mehr Nüchternheit walten lassen, wenn wieder einmal eine prominente Ermittlung beginnt.

Wut gepaart mit Ohnmachtsgefühlen

Groß war die Wut vieler Bürger nach der Finanzkrise. Zahlreiche Banker hatten eklatant versagt, und ihr Versagen kostete den Steuerzahler Milliarden. Die Justiz nahm Ermittlungen auf und die Medien schrieben geradezu genüsslich von einer "Belastungsprobe", einem "schweren Rückschlag" oder einer "spektakulären Wendung", wann immer irgendwo eine Razzia durchgeführt, eine Anklage erhoben oder ein Prozess begonnen wurde.

Alle zusammen ignorierten, dass viele Gerichtsverfahren, die folgten, kläglich scheiterten. Ob BayernLB, ob Landesbank Baden-Württemberg, ob HSH Nordbank – fast immer mussten die Gerichte die Angeklagten freisprechen oder das Verfahren einstellen. Das lag häufig daran, dass die Materie zu komplex und das Recht zu unscharf war, aber immer wieder auch daran, dass der Wunsch nach einer Verurteilung zuvor den Blick auf die belegbaren Fakten verstellt hatte. Die Öffentlichkeit kümmerte das wenig. So blieb die Wut, gepaart mit Ohnmachtsgefühlen.

In dieser Atmosphäre begann der Prozess von München. Zwar passte er streng genommen nicht in die Reihe der Krisenprozesse, da er sich um die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch 2002 drehte. Doch in Wirtschaftsfragen gibt es für Staatsanwälte hierzulande kaum einen größeren Gegner als den Chef der Deutschen Bank, zumal mit Josef Ackermann und Rolf-Ernst Breuer zwei seiner Vorgänger ebenfalls auf der Anklagebank saßen. 

Etwas mehr Sachlichkeit

Der Prozess war eines der spektakulärsten Verfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte, und wie andere Verfahren gegen Banker zuvor wurde auch er vom Geist der Nachkrisenjahre getragen, vom Wunsch, den Herren in den Vorstandsetagen mit den Mitteln des Rechtsstaats beizukommen. Doch dieses Mal verrannten sich die Staatsanwälte vollends.

Alles Lügner, dieser Vorwurf stand in München von Beginn an im Raum. Der Anklagesatz folgte über weite Strecken dem bereits sehr interpretationsfreudigen Urteil aus dem Zivilprozess von 2012, er glich einer wilden Verschwörungstheorie, gebastelt aus vielen einseitigen Vermutungen. Eine smoking gun, ein klarer Beleg für die vermuteten Absprachen, fehlte. Die Lücken in der Argumentation waren früh erkennbar, der Prozess machte sie nur noch deutlicher. Die Staatsanwälte hielten trotzdem bis zuletzt stur an ihrer Linie fest, stellten immer neue Anträge.

Auch wenn viele Bankenkritiker das ungern hören: Der Freispruch von München erfolgte völlig zu Recht. Mit ihm lässt sich nicht länger ignorieren, dass nicht nur das Recht seine Grenzen hat, sondern auch die Wut. Neben den Bankern sollten auch Staatsanwälte und Medien dann und wann ihre Motive kritisch prüfen – und sich wieder häufiger an das Prinzip erinnern, dass jemand so lange als unschuldig zu gelten hat, bis seine Schuld bewiesen ist. Etwas mehr Sachlichkeit, ein wenig verbale Abrüstung, damit wäre schon viel gewonnen.