Am Ende ist es nur schwer feststellbar, wie häufig Makler zusätzliche Gebühren verlangen. In der Zentrale des Deutschen Mieterbundes in Berlin glaubt man nicht an eine flächendeckende Trickserei: "Es ist für einen Makler idiotisch, eine nicht legale Forderung zu stellen, denn er kann sie nicht durchsetzen", sagt Pressesprecher Ulrich Ropertz. "Auf solche Fälle lässt sich ein Makler nur einmal im Leben ein. Wenn er die Provision zurückgezahlt hat, er gegebenenfalls angezeigt wurde und Ordnungsgeld draufzahlen muss, wird er erkennen, dass es kein lohnenswertes Geschäftsmodell für ihn ist." Der Normalfall sei, dass der Vermieter die Provision für den Makler zahle. Da seien sich Mieter und Makler einig. 

Der Immobilienverband Deutschland (IVD), der die Interessen von etwa 6.000 Maklern vertritt, nimmt so gut wie keine Rückmeldungen über unseriöse Praktiken von Maklern wahr. "Es gab bei den Vermittlungen am Anfang einen Umsatzrückgang von etwa 20 Prozent", sagt Sun Jensch, Geschäftsführerin beim IVD. Die Eigentümer seien zunächst vorsichtig gewesen und hätten zusätzliche Kosten vermeiden wollen. Doch schnell hätten viele Vermieter festgestellt, dass die Suche nach Mietern mit großem Aufwand verbunden ist. "Nach sechs Monaten sind viele Eigentümer zu den Maklern zurückgekommen", sagt Jensch. Die Umsätze seien wieder gestiegen.

Provisionen nach dem Baukastenprinzip

Dem Verband zufolge sind viele Makler dazu übergegangen, ihre Leistungen transparent aufzusplitten, um den Vermietern einzelne Bestandteile oder ein ganzes Paket anbieten zu können. Das heißt, der Vermieter wählt aus, was er wirklich braucht: Exposé für eine Wohnung erstellen, die Anzeige ins Netz bringen, Bewerber auswählen, Besichtigungen organisieren, bis hin zur Unterstützung beim Vertragsabschluss. Der Makler entwickelt sich so mehr zum Berater, als nur Vermittler zu sein. Das neue Konzept funktioniere gut, sagt IVD-Geschäftsführerin Sun Jensch. Als Reaktion auf das Bestellerprinzip sind auch einige Start-Ups wie moovin und WunderAgent entstanden. Sie bieten ihre Dienste ebenfalls im Baukastensystem an und werben mit Festpreisen, die sich anders als die bisherigen Provisionsforderungen deutlich transparenter an den erbrachten Leistungen orientieren sollen.

Für den Großteil der Wohnungssuchenden hat sich die Gesamtsituation verbessert. "Das Gesetz wird grundsätzlich eingehalten und ist gut gemacht", sagt Ropertz vom Mieterbund. "Jetzt ist es der Normalfall, dass der Vermieter und nicht der Mieter die Provision für den Makler zahlt." Auch die Mietobjekte sind durch das Bestellerprinzip attraktiver geworden. Laut Immobilienscout24 stiegen die Kontaktanfragen für Mietobjekte in den letzten Monaten um etwa 15 Prozent.

Darunter wird es wohl Einzelfälle von Vermittlern geben, die mit Tricks versuchen, vom Mieter unzulässige Zusatzzahlungen einzufordern. Die Enge des Wohnungsmarktes in manchen Großstädten erhöht bei manchem Mieter sicher auch die Bereitschaft, Zuschläge zu bezahlen, wenn sie im Gegenzug dafür die in Gedanken schon eingeräumten Umzugskartons endlich in der schönen, neuen Wohnung auspacken können. Das Bestellerprinzip verschafft den Mietern aber die Möglichkeit, die unrechtmäßig verlangten Provisionen zurückzufordern, auch im Nachhinein, wenn sich die Hektik des Umzugschaos gelegt hat. "Hat der Mieter doch zu viel gezahlt, sollte er danach zum örtlichen Mieterverein gehen und sich beraten lassen, ob er sein Geld zurückfordern kann", sagt Ropertz.