Zahlreiche deutsche Banken haben Briefkastenfirmen der Kanzlei Mossak Fonseca in Panama genutzt. Das geht aus weiteren Veröffentlichungen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR zu den sogenannten Panama Papers hervor. Die Namen von 28 Banken, darunter 6 der 7 größten, finden sich den Berichten zufolge in den Unterlagen. Sie hätten bei dem Offshore-Dienstleister mehr als 1.200 Briefkastenfirmen gegründet oder für ihre Kunden verwaltet.

In Deutschland sollen neben der Deutschen Bank insbesondere die Dresdner Bank, die Commerzbank, UBS-Deutschland und die BayernLB die Dienste von Mossack Fonseca genutzt haben. Auch Landesbanken wie HSH-Norbank bedienten sich laut Bericht der Dienste des Offshore-Dienstleisters. Weltweit haben den Recherchen zufolge mehr als 500 Banken die Dienste von Mossack Fonseca genutzt. Sie orderten bei der Kanzlei aus Panama insgesamt mehr als 15.600 Briefkastenfirmen.

Allein die Deutsche Bank habe bis zum Jahr 2007 mehr als 400 Offshore-Firmen aufgesetzt, schreibt die SZ. Etwa 50 der einst 400 Briefkastenfirmen, die von der Deutschen Bank geordert wurden, sind laut den Panama Papers noch aktiv. Allerdings wird die Bank bei den meisten nicht mehr als Vermittler geführt; sie hat dieses Geschäft weitgehend abgegeben.

Die beteiligten Banken teilten der SZ auf Anfrage mit, dass sie ihre Geschäftspolitik schon in den vergangenen Jahren geändert hätten. Die Commerzbank habe ab 2008 "konsequent umgesteuert". Die BayernLB teilte mit, sie habe das Privatkundengeschäft der Luxemburger Tochter 2013 verkauft. Zuvor hatte sie über Luxemburg mindestens 129 Briefkastenfirmen verwaltet. Die BayernLB kündigte laut der Zeitung eine weitere Untersuchung an.

Briefkastenfirmen zu unterhalten, ist an sich nichts Illegales. Anwaltskanzleien erstellen solche Firmen oft nach dem Baukastenprinzip und passen sie an die gesetzlichen Bestimmungen des jeweiligen Landes an. Genutzt werden sie häufig, um auf legale Weise den eigentlichen Inhaber unkenntlich zu machen oder um Geldströme zu verschleiern. Das könnte auch dazu dienen, Steuern zu vermeiden oder Geld zu waschen.

Die Unterlagen zeigten zudem, dass mehrere Tausend Deutsche die Briefkastenfirmen genutzt hätten. Als Vermittler seien dabei auch ausländische Banken aufgetreten. Zu den Kunden von Mossack Fonseca gehöre zum Beispiel der Privatagent Werner Mauss, der im Auftrag von Regierungen und Geheimdiensten vieler Länder tätig war. In einem Gespräch mit der SZ habe Mauss gesagt, dass nicht alle Gesellschaften ihm gehören würden. 

Die Zeitung berichtete zudem, dass ehemalige Siemens-Manager einen Teil des Geldes, das sie einst in schwarzen Kassen verwaltet hatten, nach Bekanntwerden der Affäre im November 2006 nicht an den Konzern zurückgeführt hätten. "Stattdessen wurden offenbar fast drei Millionen Euro auf private Konten unter anderem auf den Bahamas und in der Schweiz gelenkt."

Laut der Tagesschau findet sich in den Unterlagen auch der Name des Rennfahrers Niko Rosberg. Eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln sei Vertragspartner des Mercedes-Rennstalls, Gegenstand der Vereinbarung seien Rosbergs Dienste als Rennfahrer. Aus den Unterlagen erschließt sich nicht, ob tatsächlich über die Firma Geld geflossen ist. Weder Rosberg noch Mercedes wollten dazu Stellung nehmen.

Behörden kauften Daten von Kunden der Kanzlei

In den Panama Papers taucht zudem der Name des ehemals größten Eierproduzenten Europas, Anton Pohlmann, auf. 1996 habe er Berufsverbot wegen Tierquälerei erhalten, berichtet die Tagesschau. Später sei er mit einer neuen Investition in den USA gescheitert, weil er wiederum gegen Auflagen verstoßen haben soll. Teile seiner Schulden seien dann den Unterlagen zufolge über eine Briefkastenfirma bezahlt worden.

Der Flughafen Lahr in Baden-Württemberg ist den Unterlagen zufolge nach der Insolvenz des Betreibers von einer Briefkastenfirma aufgekauft worden. Ein asiatischer Geschäftsmann baute den Enthüllungen zufolge eine Konstruktion aus zahlreichen Offshore-Gesellschaften auf, um in ganz Deutschland Supermärkte zu kaufen und diese an Rewe, Lidl und andere zu vermieten.

Die SZ schreibt zudem, dass deutsche Behörden bereits vor einem Jahr für eine Million Euro Daten von Kunden der Kanzlei aufgekauft hätten. In dem Zusammenhang würden Ermittlungsverfahren laufen.

Briefkastenfirmen: Geld verstecken leicht gemacht

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Scheindirektor

Ich muss nicht in Erscheinung treten, weil der Scheindirektor das macht. Ich bleibe also anonym.

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