Arbeitnehmer müssen in Deutschland deutlich mehr Steuern und Abgaben zahlen als in den meisten anderen Ländern. Das ist das Ergebnis einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), in der die 34 Mitgliedstaaten verglichen wurden.

Für die Studie hatte die Organisation die Daten für einen alleinstehenden Vollzeitarbeitnehmer verglichen, der das Durchschnittsgehalt verdient. In Deutschland sind das 47.042 Euro jährlich. Von diesem Gehalt müssen hierzulande 49,4 Prozent Steuern und Abgaben gezahlt werden. Dieser Wert ist seit 2010 beinahe konstant.

Mit dem Prozentsatz belegt Deutschland einen Spitzenplatz, nur in Belgien (55,3 Prozent) und Österreich (49,5 Prozent) muss mehr abgeführt werden. Im OECD-Durchschnitt sind es nur 35,9 Prozent.

Bei Ehepaaren mit Kindern reduzierten Steuerfreibeträge und das Kindergeld die steuerliche Belastung: Sie lag im vergangenen Jahr für Eltern von zwei Kindern mit einem Durchschnittsverdiener bei 34 Prozent. Hier kam Deutschland auf den zehnten Platz. Der OECD-Durchschnitt lag bei 26,7 Prozent.

Kritik am Ehegattensplitting

Die OECD kritisierte in ihrer diesjährigen Studie Steuerregeln wie das Ehegattensplitting oder die beitragsfreie Versicherung von nicht erwerbstätigen Partnern. Vor allem Frauen würden durch hohe Steuern und Abgaben für Zweitverdiener entmutigt, erwerbstätig zu werden, bemängelte der OECD-Direktor für Steuerpolitik und Steuerverwaltung, Pascal Saint-Amans.

Die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen sollte bei der Gestaltung des Steuersystems "stärker berücksichtigt" werden, mahnte Amans an. "In jedem Fall sollte das Steuersystem bestehende Ungleichheiten nicht noch verstärken."

Die OECD hatte bereits in ihrem Wirtschaftsbericht in der vergangenen Woche Deutschland aufgefordert, die Steuer- und Abgabenlast für Zweitverdiener zu senken. Sie regte beispielsweise einen gesonderten Freibetrag an.