Manchmal ist ihr das Geld eine Last. Vor allem dann, wenn die Menschen nur ihre Milliarden sehen, nicht sie selbst. In einem ihrer wenigen Interviews hat Susanne Klatten einmal gesagt: "Geld bewertet nicht, was oder wer ich bin. Es zieht einen Vorhang vor mich. Ich möchte aber gesehen werden, als Mensch." Und als Mensch will sie sich engagieren, der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Deshalb hat Susanne Klatten, die BMW-Erbin und reichste Frau Deutschlands, nun eine neue Initiative angekündigt. "Skala" hat sie sie genannt, die ersten beiden Buchstaben stehen für ihr Kürzel. Über die Skala-Initiative will Klatten in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen Euro spenden und so "bürgerschaftliches Engagement" fördern. Erste konkrete Projekte will sie noch im April vorstellen. Es sei ihr "eine Herzenssache", engagierte Menschen "zu fördern und ihnen Anerkennung zu geben", wird sie auf der Homepage ihrer Initiative zitiert.

Zwar hat Klatten, deren Vermögen auf mehr als 15 Milliarden Euro geschätzt wird, sich auch früher schon engagiert und für den guten Zweck gespendet. Doch sie hat es nie so offen nach außen getragen. Mit ihrer Initiative geht sie dagegen nun bewusst in die Offensive, steht für die geförderten Projekte mit ihrem Namen. Als wolle sie zeigen: "Seht her, ich tue Gutes mit meinem Geld, tut es mir nach." Das ist neu. Und für die Reichen in Deutschland eher ungewöhnlich.

Deutsche sprechen nicht über ihr Engagement

Anders als in den USA sind die Vermögenden hierzulande verschwiegen. Sie reden weder über ihr Geld noch darüber, ob oder wie sie es für einen guten Zweck ausgeben. "Das ist typisch deutsch", sagt Robert Heiduck von der Weberbank, die vor allem vermögende Kunden betreut. "Man spricht eher über Krankheiten als über Geld."

Dabei sollte man meinen, wenn jemand mit seinem Vermögen etwas Gutes für die Gesellschaft tut, könne er das ruhig alle Welt wissen lassen. So wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der nach der Geburt seiner Tochter öffentlich verkündete, 99 Prozent seines Vermögens spenden zu wollen. Oder wie Microsoft-Gründer Bill Gates, der bis zu seinem Tod ebenfalls einen Großteil seines Vermögens für gute Zwecke ausgeben will. Zusammen mit dem Investor Warren Buffett hat er vor sechs Jahren in den USA die Initiative The Giving Pledge gestartet, um auch andere dazu zu animieren, Teile ihres Vermögens zu spenden. Mehr als 100 Milliardäre haben sich ihnen bereits angeschlossen.

Und doch steht auf ihrer Liste gerade einmal ein deutscher Name: Hasso Plattner. Und der soll da noch nicht einmal ganz freiwillig drauf gelandet sein – obwohl er durchaus große Summen spendet. Auch Susanne Klatten soll trotz ihres Engagements Gates und Buffett bislang immer wieder abgesagt haben.

In den USA gehört es zum guten Ton

Das zeigt, wie unterschiedlich Deutsche und Amerikaner mit dem Spenden umgehen. "In den USA gehört es zum guten Ton, darüber zu reden", sagt Michael Alberg-Seberich, der Unternehmer berät, die stiften oder spenden wollen. "Die Deutschen sind in dieser Hinsicht einfach sehr zurückhaltend."

Zu einem Großteil ist das historisch begründet. In den USA gibt es seit jeher den Traum, vom Tellerwäscher zum Millionär zu werden – wem dann der Aufstieg tatsächlich gelingt, der will den weniger Glücklichen etwas zurückgeben. Vorreiter dieser Bewegung war Andrew Carnegie: ein Einwanderersohn, der ein Stahlimperium aufbaute. 1901 verkaufte er seine Firma an J. P. Morgan – und wurde zum Wohltäter. "Wer reich stirbt, stirbt in Schande": Mit diesem Satz wird er bis heute in den USA zitiert. Seine Millionen setzte Carnegie zum Beispiel ein, um im ganzen Land mehr als 2.500 Bibliotheken zu errichten. Damit wurde er Vorbild für viele andere nach ihm.

Doch während in den USA Spenden fehlende staatliche Investitionen ersetzen, ist in Deutschland früh ein starkes Sozialsystem entstanden. Aufgrund der Umverteilung durch Steuern wurde es hier lange gar nicht erwartet, dass Reiche einen Teil ihres Vermögens an die Gesellschaft zurückgeben.