Der Volkswagen-Betriebsrat hat vom Management Verhandlungen über die Sicherheit der Arbeitsplätze gefordert. In einer E-Mail schrieb Betriebsratschef Bernd Osterloh, er habe "ein gravierendes Vertrauensproblem" mit dem Vorstand der Marke Volkswagen. "So haben wir den Eindruck, dass der Diesel-Skandal hinterrücks dazu genutzt werden soll, personelle Einschnitte vorzunehmen, die bis vor wenigen Monaten kein Thema waren."

Die Marke Volkswagen werde bewusst schlecht geredet. Der Betriebsrat biete dem Markenvorstand an, über die Weiterentwicklung der Marke und Standortvereinbarungen für alle deutschen VW-Werke zu verhandeln. Vereinbarungen dazu sollten in einem "Zukunftspakt" zwischen Betriebsrat und Vorstand festgeschrieben werden.

Das Unternehmen begrüßte das Verhandlungsangebot. "Die Sicherung der Standorte liegt auch im Interesse des Vorstands", sagte Personalvorstand Karlheinz Blessing und versprach rasche und konstruktive Gespräche. "Das Schreiben des Betriebsrats sehen wir als sehr gute Vorlage für die weitere Arbeit."

Einen Pakt für sichere Jobs gab es zuletzt vor zehn Jahren, als VW die Viertagewoche abschaffte und Zugeständnisse mit Mehrarbeit ohne vollen Lohnausgleich errang. "Auch in der damaligen schwierigen Zeit ist es uns über verbindliche Vereinbarungen gelungen, die Zukunft für Unternehmen und Beschäftigte positiv zu gestalten. Dies ist auch heute unser Angebot an den Markenvorstand von Volkswagen", heißt es in dem Brief.

Experten erwarten nun eine Machtprobe zwischen dem Betriebsrat und Management. Der mit dem Schreiben in die Belegschaft getragene Konflikt markiere eine neue Qualität. Osterloh und VW-Markenchef Herbert Diess hätten seit dem Ausbruch der Abgaskrise schon mehrfach miteinander gestritten. Ein offener Bruch sei aber bisher ausgeblieben.

Vorstände wollen auf Boni nicht verzichten

Das Unternehmen muss wegen des Abgasskandals Milliardenzahlungen für Strafen und Entschädigungen planen. Entsprechend muss Geld eingespart werden, was viele Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze bangen lässt.

VW hatte im September zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Fahrzeuge unterschiedlicher Marken des Konzerns eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm beeinflusst den Ausstoß von Stickoxiden bei Tests auf dem Prüfstand, sodass die Werte geringer ausfallen, als sie tatsächlich sind.

Trotz der Manipulationsaffäre wollen die Vorstände allerdings nicht auf ihre Bonuszahlungen verzichten, berichtete Spiegel Online. Die Manager würden allenfalls eine Kürzung ihrer Boni hinnehmen, nicht aber komplett darauf verzichten.

"Besonders brisant" ist laut Spiegel Online eine Sonderzahlung an Hans Dieter Pötsch. Pötsch gab im Oktober 2015 seinen Vorstandsposten als Finanzchef des Wolfsburger Konzerns auf und wechselte an die Spitze des Aufsichtsrates. Dem Bericht zufolge ließ er sich eine Entschädigung von knapp zehn Millionen Euro dafür zahlen. Der Grund: Sein Vertrag als Vorstand wäre noch bis 2017 gelaufen und hätte ihm höhere Einnahmen garantiert. Die Manipulationsaffäre hatte Pötsch als "existenzbedrohende Krise" bezeichnet.