Seniorenrabatte für Kino- oder Schwimmbadbesuche erschienen lange widersinnig. Galten deutsche Rentner doch dank üppiger Renten nach einem meist ununterbrochenen Arbeitsleben als eher zahlungskräftige Kundschaft. Doch spätestens mit den 20 Millionen Babyboomern, die bis 2030 in Rente gehen, wird dieser Eindruck verblassen. Für ein reiches Land droht ungewöhnlich vielen von ihnen die Armut im Alter.

Das zeigen die aktuellen Zahlen aus dem Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands. Demnach ist der Anteil altersarmer Rentner in den letzten zehn Jahren um 46 Prozent gestiegen. Mit gut einem von sieben in Armut, sind Rentner zum ersten Mal stärker betroffen als die Gesellschaft im Durchschnitt. Armut ist natürlich Definitionssache. Aber auch Erhebungen der OECD belegen, dass Niedrigverdiener im deutschen Rentensystem im Vergleich zu anderen reichen Ländern das Nachsehen haben. Für Geringverdiener ist das Rentenniveau lediglich in einem der 34 OECD-Länder niedriger als in Deutschland. Hierzulande erhält jemand, der die Hälfte des Durchschnitts verdient, 53 Prozent des letzten Gehalts als Rente ausbezahlt. Der OECD-Durchschnitt liegt mit 75 Prozent deutlich darüber.

Kein System für die moderne Arbeitswelt

Die Gewerkschaften, und nun auch Horst Seehofer, wollen Rentenreformen zum zentralen Thema der Bundestagswahl machen. Doch die bisher vorgebrachten Ideen sind erneut eher rentenpolitisches Klein-Klein und taugen nicht dazu, das Grundproblem zu lösen. Denn Altersarmut rührt von der Grundausrichtung des deutschen Rentensystems. Das bestehende System ist nicht für moderne Lebens- und Arbeitswelten konstruiert. Alleinerziehende, atypische Erwerbsbiografien, Teilzeitarbeit und längere Ausbildungszeiten müssen berücksichtigt werden. Was wir brauchen, ist also eine ehrliche Umverteilungsdebatte. Dazu gehört einerseits eine generöse Mindestrente, andererseits aber auch: Riester muss zu Ende gedacht werden.

Die Ursachen dafür, dass Niedrigverdiener benachteiligt werden, liegen tief im sogenannten Bismarck'schen Rentensystem. Dieses versteht die gesetzliche Versicherung als eine Art Sparbuch; wer mehr einzahlt, bekommt nach dem Äquivalenzprinzip mehr ausgezahlt. In Zeiten von hohen Geburtenraten, Vollbeschäftigung und durchgehenden Erwerbsbiografien ist dieses Mantra der Lebensstandardsicherung sozial verträglich. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche der letzten Jahrzehnte zwingen uns aber zu Anpassungen.