Am zweiten Tag der Proteste gegen den Braunkohleabbau in der Lausitz ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und der Polizei gekommen. Etwa 120 Personen seien festgenommen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Zwei Umweltaktivisten seien verletzt worden. Eine Sprecherin vom Protestbündnis Ende Gelände dementierte, dass Gewalt angewendet wurde.

Zunächst hatte der MDR von den Zwischenfällen berichtet. Demnach hatten mehrere Hundert Protestierer das Kerngelände des Kraftwerks Schwarze Pumpe gestürmt. Die Polizei habe die Aktivisten eingekesselt, als diese das Betriebsgelände wieder verlassen wollten. Bei der Aufnahme der Personalien sollen die Polizisten Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt haben, heißt es in dem Bericht weiter.

Das Bündnis hatte über Pfingsten zu Protesten aufgerufen. Am Samstagvormittag waren nach Angaben von Ende Gelände etwa 2.000 Menschen zu einer Blockade des Kraftwerks Schwarze Pumpe aufgebrochen. Bis zu 1.000 Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern hielten sich am Samstag laut Polizei auf dem Betriebsgelände auf. Ines Filohn von der Polizeidirektion Süd in Cottbus sagte, das Vorgehen der Protestteilnehmer sei "nicht ungefährlich". Mehrere Menschen seien auf Großgeräte wie Braunkohlebagger geklettert.

Vattenfall-Sprecher Thoralf Schirmer sagte zudem, dass sich einige der Demonstranten gewaltsam Zutritt verschafft hätten. Auch Feuerwerkskörper seien gezündet worden. "Die Lage ist dramatisch", sagte Schirmer. "Unsere Kollegen fühlen sich bedroht. Hier ist eine Grenze eindeutig überschritten worden." Vattenfall hatte erstmals am späten Freitagabend Strafanzeige wegen Landes- und Hausfriedensbruchs sowie Nötigung erstattet. Die Polizei ließ die Protestteilnehmer aber zunächst weitgehend gewähren, weil die Staatsanwaltschaft die in der Strafanzeige angeführten Tatbestände nicht teilte.

Blockierer legen Kraftwerk lahm

Am Samstagmittag stellte Vattenfall eine weitere Anzeige wegen der Blockade der Gleise. Mit der Aktion haben die Braunkohlegner das Kraftwerk bei Cottbus teilweise lahmgelegt. Kohlezüge können das Betriebsgelände nicht erreichen. Die Leistung des Kraftwerks musste das Unternehmen deshalb herunterfahren.

Schon am Freitag hatten die Braunkohlegegner in der Lausitz eine großangelegte Protestaktion begonnen. Mehr als 1.000 Teilnehmer hatten nach Polizeiangaben Teile des Tagebaus Welzow-Süd besetzt und damit stillgelegt. Vattenfall berichtete, dass 500 Aktivisten im Tagebau übernachtet hätten. Das war laut dem Bündnis nur der Beginn des Protests: "Jede weitere Tonne Kohle, die aus dem Boden geholt wird, ist eine Tonne zu viel."

Der rbb berichtete von vier Aktivisten, die eine wichtige Kohlebahnstrecke blockierten, indem sie sich an eine Betonpyramide auf den Gleisen ketteten. Es sei allerdings nicht zu Störungen im Betriebsablauf gekommen, weil der Konzern plangemäß zum Wochenende den Abbau eingestellt habe. Das Gelände werde von der Polizei deshalb zunächst weiter beobachtet, müsse aber nicht geräumt werden.

"Während die Bundesregierung den Kohleausstieg weiter verschleppt, fordern ihn die vielen Menschen hier immer lauter", teilte die Umweltschutzorganisation Greenpeace mit. Würden die noch vorhandenen Kohlevorräte der Lausitz verfeuert, würde das "bis zu einer Milliarde Tonnen" an klimaschädlichem Kohlendioxid verursachen.

An dem Protest wollen sich auch Grünen-Politiker aus Brandenburg und Berlin sowie Bundestagsabgeordnete und EU-Parlamentarier der Partei beteiligen. Parallel zu der Blockade veranstaltet das Bündnis ein Klimacamp im nahe gelegenen Ort Proschim.

Der Tagebau Welzow-Süd wird ebenfalls von Vattenfall betrieben. In dem Tagebau werden jährlich rund 20 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Hauptabnehmer ist das Kraftwerk Schwarze Pumpe.