Die Eurogruppe hat eine Einigung über die weitere Unterstützung Griechenlands erzielt. Die Eurofinanzminister hätten weiteren Auszahlungen von 10,3 Milliarden Euro in mehreren Tranchen an Athen zugestimmt, sagte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem nach fast elfstündigen Verhandlungen in Brüssel. Auch eine Einigung über Schuldenerleichterungen und die Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) an dem Hilfsprogramm seien erzielt worden. Dieser habe auch seine Bereitschaft zur Beteiligung an zukünftigen Hilfen signalisiert.

Der IWF hatte zuvor deutliche Schuldenerleichterungen zur Voraussetzung für eine Beteiligung an dem griechischen Hilfsprogramm gemacht. Dijsselbloem nannte nun unter anderem die Bereitstellung von Gewinnen der Europäischen Zentralbank mit griechischen Staatsanleihen sowie den Einsatz von ungenutzten Mitteln zur Bankenrekapitalisierung als Mittel, um Athen zu entlasten. Auf Twitter bezeichnete er das Ergebnis als entscheidenden Durchbruch.

Durch die Einigung kann eine Staatspleite Griechenlands abermals abgewendet werden. "Das sind sehr gute Neuigkeiten", sagte Dijsselbloem. Das 2015 gestartete Rettungsprogramm laufe wieder wie geplant. "Noch vor einem Monat hätte ich nicht davon geträumt, dass sich die Minister darauf einigen." Über die Sparanstrengungen der Griechen sagte er: "Ich denke, dass die griechische Regierung eine Menge Arbeit erledigt hat." Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und mehrere Amtskollegen hatten sich vor dem Treffen zuversichtlich gezeigt, zu einer Grundsatzvereinbarung für Griechenland zu kommen.

Die griechische Regierung hatte in den vergangenen Wochen Rentenkürzungen und eine Einkommensteuerreform durch das Parlament in Athen gebracht. Dabei sind Steuererhöhungen vorgesehen. Tanken, Rauchen und Telefonieren etwa dürften in Zukunft deutlich teurer werden. Zusammen machen die Budgetkorrekturen 5,4 Milliarden Euro aus. Es gibt auf Wunsch der internationalen Geldgeber auch ein Sparpaket "auf Vorrat", das beim Verfehlen von Haushaltszielen in die Tat umgesetzt werden soll.

Der Weltwährungsfonds IWF hatte die Europäer in der Schuldendebatte unmittelbar vor dem Treffen erheblich unter Druck gesetzt. Der Fonds forderte unter anderem das Einfrieren der Zinsen bei 1,5 Prozent, längere Laufzeiten für die Hilfskredite und das langfristige Stunden von Zins und Tilgung. Der IWF signalisierte nun aber seine Bereitschaft, sich an weiteren Griechenland-Finanzhilfen zu beteiligen. Dem IWF-Leitungsgremium soll vorgeschlagen werden, bis Ende des Jahres weitere Mittel für die Unterstützung des griechischen Reformprozesses bereitzustellen. "Wir werden uns die Maßnahmen in den kommenden Monaten anschauen", sagte IWF-Europadirektor Poul Thomsen. "Es ist am Ende das Leitungsgremium, das die Entscheidung trifft." IWF-Chefin Christine Lagarde war bei dem Treffen in Brüssel nicht dabei.

Zügige Auszahlung an Griechenland

Der Chef des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), Klaus Regling, kündigte an, dass bereits in der zweiten Junihälfte 7,5 Milliarden Euro an Griechenland überwiesen werden könnten. Das restliche Geld der neuen Auszahlung solle später bereitgestellt werden. Griechenland muss allein im Juli 3,67 Milliarden Euro an den IWF, die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Gläubiger zahlen.

2015 hatten sich Athen und die internationalen Geldgeber auf ein neues Rettungsprogramm in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro verständigt. Davon wurden bisher 21,4 Milliarden Euro ausgezahlt. Das Land ist seit 2010 auf die Zahlungen internationaler Geldgeber angewiesen.