Wer Mieter ist, womöglich noch in einer Großstadt, für den ist die Sache oft klar: Vermieter, das sind Menschen mit viel Geld, die sich sogar an teuren Standorten Häuser kaufen können und von deren Einnahmen leben. Oder es sind Konzerne, die kräftig daran verdienen, dass sich viele Bürger gar kein Wohneigentum mehr leisten können. Beide jedenfalls spielen ihre wirtschaftliche Überlegenheit aus, indem sie regelmäßig die Mieten in die Höhe schrauben, um ihre Einnahmen zu steigern. Zeigen das nicht die dauernden Diskussionen über Mietniveaus und Mietpreisbremse? Die Antwort ist: Selten stimmen Vorstellung und Realität so wenig überein, wie an dieser Stelle.

Wer ein realistischeres Bild von "den deutschen Vermietern" zeichnen will, was natürlich auch wieder nur eine grobe Verallgemeinerung sein kann, der muss mit einem anderen Fakt anfangen: "Zwei Drittel aller Vermieter hierzulande sind private Kleinvermieter", sagt Alexander Wiech vom Eigentümerverband Haus & Grund, "das Gros der Wohnungen gehört eben nicht privaten Unternehmen, sondern Privatleuten, die zwei bis maximal fünf Wohnungen besitzen und die nebenbei vermieten." In der Regel seien es Handwerker oder Rentner im Alter zwischen Ende 50 und Mitte 60. Deren stärkstes Motiv: Für das Alter vorsorgen oder die eigene Rente aufbessern. Das zumindest sagt die Mehrheit der Vermieter selbst, wie repräsentative Studien des Grundeigentümerverbands ergeben haben.

Rund sieben Millionen Privatleute besitzen laut Erhebungen des Sozio-oekonomischen Panels Wohnraum, den sie an andere vermieten (Ferienhäuser ausgenommen). Im Schnitt kommen solche Immobilien auf einen Wert von 257.000 Euro. Bei den reichsten zehn Prozent der Vermieter haben die Immobilien einen Wert von durchschnittlich 500.000 Euro. Es kann also gar nicht so viele reiche Großvermieter mit Wohnblocks in Topstädten geben, sonst müsste dieser Wert viel höher liegen.

Genauere Auflistungen zum Gesamtbestand der Mietwohnungen und ihrer Besitzer existieren zwar nicht, aber man weiß Folgendes: 40 Millionen Haushalte und Wohnungen gibt es hierzulande insgesamt (siehe Grafik). In 54 Prozent davon lebt ein Mieter, 46 Prozent sind Eigentümer. Die Mehrheit der Wohnungen befindet sich in Einfamilienhäusern (12 Millionen), gut 6 Millionen in Zweifamilienhäusern, und die übrigen 22 Millionen in Mehrparteienhäusern. Diese Mehrfamilienhäuser gehören aber häufig nicht nur einem Besitzer oder gar Wirtschaftsunternehmen, sondern sie sind etwa zur Hälfte im Besitz von Eigentümergemeinschaften – also von mehreren Menschen, denen eine Eigentumswohnung gehört.

Und wie viele Wohnungen sind tatsächlich in der Hand der ganz großen Immobilienverwalter? Die Zahl ist eher gering: Nur 6,5 der knapp 20 Millionen Mietwohnungen hierzulande gehören großen Organisationen – und auch die sind nicht alle nur gewinnorientiert. Denn darunter befinden sich zuallererst einmal 2,2 Millionen Genossenschaftswohnungen und 2,3 Millionen Mietwohnungen von kommunalen Wohnungsunternehmen, die geförderten Wohnraum und Sozialwohnungen anbieten. Etwa 600.000 Einheiten gehören dem Bund, den Bundesländern oder Organisationen wie Stiftungen. Im Besitz rein privater Konzerne und Gesellschaften sind lediglich 2,1 Millionen Mietwohnungen hierzulande, das sind gerade einmal 10 Prozent des Gesamtbestands.

Einerlei wer sie besitzt, könnte man nun denken, er wird dennoch ordentlich Geld damit verdient. Auch das ist aber zu pauschal gedacht, wie Erhebungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigen. Die Auswertungen überrascht: Etwa ein Drittel aller privaten Vermieter macht entweder gar keine Gewinne oder sogar Verluste. Insgesamt erzielte etwa die Hälfte der Immobilienvermieter eine Bruttomietrendite von unter zwei Prozent. Das ist wenig. Zumal man davon bei vielen noch die Kosten für Immobilienkredite abziehen muss oder die Steuern, die sie dafür ans Finanzamt entrichten müssen.

Allerdings muss man diese Zahl etwas relativieren. Unter denjenigen, die nur eine Nullrendite angaben, waren auch viele Vermieter, die beispielsweise längeren Leerstand zu beklagen hatten. Manche listeten auch ihre Einkünfte aus Vermietungen unter den "sonstigen Kapitalerträgen" auf oder überließen den Wohnraum mehr oder minder zum Selbstkostenpreis an Verwandte, erklärt der Studienautor Stefan Bach. Rechnet man solche Fälle heraus, streichen deutsche Privatvermieter im Schnitt eine Bruttomietrendite von 3 Prozent ein und nach Abzug aller Finanzierungskosten und Steuern eine Nettorendite von zwei Prozent. Das ist gutes Geld, aber eben nur der kleine Reibach und nicht der große.