Auch für Dayimar Altuve, Mutter eines fast dreijährigen Kindes, ist der Alltag zum Spießrutenlauf geworden: "Monatelang bin ich an den Tagen, an denen ich laut meiner Ausweisnummer mit Einkaufen dran war, um vier Uhr aufgestanden, um um fünf Uhr am Markt zu sein und die wichtigsten Dinge zu bekommen", sagte die 39-Jährige aus dem Zentrum von Caracas. "Heute benutze ich das Mehl, den Zucker, das Waschmittel und den Reis, das ich damals erstanden habe, weil die Schlangen heute noch viel länger sind." 

Früher habe es mal 45 Minuten dauern können, um eines der Lebensmittel zum regulierten Preis zu kaufen, heute wartet Dayimar mindestens zwei Stunden und die Menschen seien sehr aufgebracht. "Abgesehen von der Zeit, die man verliert, ist das sehr erschöpfend und frustrierend." Schon öfter musste sie nach Stunden des Anstehens feststellen, dass die gewünschten Produkte bereits ausverkauft waren.

Schulen und Verwaltung öffnen tageweise

"Kopfschmerzen bereit mir im Moment vor allem in welcher Dynamik uns das Wasser gekürzt wird, das wir nur noch an drei der sieben Wochentage haben", sagt Dayimar. Wäscheberge türmten sich auf und die Hausreinigung koste viel Zeit und Geld. "Wir bekommen eine kleine Wasserration zu der Zeit, wenn wir das Haus verlassen, um zur Arbeit zu gehen, damit wir uns notdürftig waschen können", sagt sie. Dabei könne sie versuchen, noch etwas Abwasch zu machen.

Zusätzlich zum Mangel und zur Teuerung sehen sich die Venezolaner mit einem strikten Zeitplan konfrontiert, der ihnen auferlegt wurde: Ganze drei Stunden Elektrizität stehen ihnen pro Tag zu. Ausgenommen von der Regelung ist lediglich die Hauptstadt Caracas. Die Einkaufscenter öffnen außerhalb der Hauptstadt nur noch zwischen 12 Uhr und 18 Uhr. Vorbei ist es mit Kino am Abend und gesicherten Banken am Morgen.

Um weitere Megawattstunden einzusparen, legte die venezolanische Regierung zudem fest, die öffentliche Verwaltung nur noch an zwei Tagen pro Woche arbeiten zu lassen – am Montag und Dienstag jeweils bis Mittag. Außerdem werden die Kinder nur noch montags und donnerstags unterrichtet. Was man sich dabei an Elektrizität spart, verliert man bei der Bildung.

Twitter und Facebook helfen beim Kauf von Medikamenten

Was den Venezolanern noch bleibt, um den Alltag zu bewältigen, ist Solidarität und gegenseitige Hilfe. Vor allem, wenn es um die Medizin geht: In den Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter ist jede zweite Nachricht eine Bitte. Darin fragen Bekannte, Verwandte und völlig Unbekannte nach allem, von Antibiotika für die Kinder bis zu Spezialkathetern für die Dialyse, über Schutzmasken und Medizin für die Chemotherapie.

Carmela hat kein Internet, weswegen sie über neun Tage nach Cefadroxil suchte. Sie benötigt das Mittel für eines ihrer Kinder, das sich eine Infektion am Fuß zugezogen hat. Dayimar konnte derweil über Twitter einen Inhalator für ihre Bronchitis kaufen. Die beiden hatten Glück. Zuletzt häuften sich die Nachrichten, dass sich in Venezuela Krankheiten ausbreiten, weil es an Behandlungsmöglichkeiten fehlt. Und das, obwohl der venezolanische Pharmaverband seit Monaten vor dem Mangel an Medikamenten warnt.

Übersetzung: Michael Stürzenhofecker