ZEIT ONLINE: Frau Boss, wie schwierig ist es für Hausbesitzer, sich gegen Hochwasser zu versichern?

Bianca Boss: In den Regionen, in denen die Gefahr für Hochwasser in regelmäßigen, kurzen Abständen hoch ist, wird meist kein Versicherungsschutz mehr gewährt. Selbst in Gebieten, in denen vielleicht nur alle zehn Jahre ein Hochwasser auftritt, ist das Geschäft für die Versicherungen wenig attraktiv. Dort verlangen sie oft viel zu hohe Prämien. Kaum ein Hausbesitzer ist bereit, 1.500 Euro für eine solche Versicherung auszugeben.

ZEIT ONLINE: Geht es nur um die Versicherungsprämie, oder ist auch die Selbstbeteiligung so hoch, dass sich ein Abschluss für den Hausbesitzer nicht lohnt?

Boss: Der Selbstbehalt dürfte in der Regel nicht das entscheidende Hindernis sein. Der Knackpunkt ist tatsächlich die extrem hohe, kaum bezahlbare Prämie.

Wir sprechen ja über eine Versicherung, die vor existenziellen Risiken schützt. Wenn Sie beispielsweise eine Selbstbeteiligung von 10.000 Euro vereinbaren, mag das nach einer hohen Summe klingen. Aber wenn im schlimmsten Fall Ihr Haus vom Wasser mitgerissen wird und ein Totalschaden vorliegt, dann sind bei einer Schadenssumme von vielleicht 800.000 Euro die 10.000 Euro lächerlich. Da sollten Sie sich eher freuen, dass Sie überhaupt eine Police bekommen haben.

ZEIT ONLINE: In den vergangenen Jahren sind vermehrt Hochwasser aufgetreten. Haben Versicherer nach Schadensfällen häufiger Policen gekündigt?

Boss: Bei Elementarschaden-Versicherungen ist das noch nicht zu erkennen. Das liegt sicher auch daran, dass es nicht so viele solcher Policen gibt. Aber Hausbesitzer, die vielleicht schon ein oder zwei Mal einen Schadensfall hatten, müssen damit rechnen, dass ihnen gekündigt wird. Das Unternehmen kann kündigen, genauso wie der Versicherungsnehmer: regulär zum Ablauf der Versicherung oder eben nach jedem Schadensfall.

ZEIT ONLINE: Dann hat man das Problem, bei einem anderen Anbieter keine Police mehr zu bekommen.

Boss: Ja, das ist sehr wahrscheinlich. Denn man muss zum einen angeben, dass man woanders gekündigt wurde, und zum anderen, dass die Kündigung aufgrund eines Schadensfalls erfolgt ist. Die meisten Versicherer dürften dann davon ausgehen, dass es noch häufiger zu Schäden kommen wird. Das Problem für die Unternehmen ist, dass das Überschwemmungsrisiko immer schwieriger zu kalkulieren ist. Die Hochwasser in dieser Woche traten ja auch in Orten auf, die bislang nicht als besonders gefährdet galten.

ZEIT ONLINE: Raten Sie Hausbesitzern generell, sich gegen Elementarschäden zu versichern, zumindest wenn die Prämie nicht extrem hoch ist?

Boss: Wir empfehlen jedem Hausbesitzer, eine solche Versicherung abzuschließen, da das Überschwemmungsrisiko durch extrem starke Niederschläge bundesweit auftreten kann. Auch in Regionen, wo man die Gefahr bisher nicht vermutet hätte, rate ich zu einer Police, denn dort ist der Versicherungsschutz auch noch bezahlbar.