Deutschland war im vergangenen Jahr hinter den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur weltweit. Wie der Branchendienst Jane's in seinem jährlichen Rüstungsbericht feststellt, verkauften deutsche Unternehmen im Jahr 2015 Rüstungsgüter im Wert von rund 4,78 Milliarden US-Dollar (4,2 Milliarden Euro) ins Ausland – Kleinwaffen und Munition nicht mitgerechnet. Wichtigste Abnehmer waren Länder im Krisengürtel Nahost–Nordafrika, vor allem Saudi-Arabien, gefolgt von Algerien, Ägypten und Katar.

Der weltweit größte Importeur von Waffen und Ausrüstung ist und bleibt Saudi-Arabien. Laut Jane's wurden im vergangenen Jahr Rüstungsgüter im Wert von rund 9,3 Milliarden US-Dollar in das islamische Königreich geliefert. In diesem Jahr liegen die saudischen Militärimporte sogar knapp über zehn Milliarden Dollar. 

Den Golfstaaten insgesamt macht zwar der Rückgang der Öl- und Gaspreise zu schaffen. Laut den Experten von Jane's sinken dadurch aber nicht automatisch auch die Verteidigungsausgaben. Im Gegensatz zu Staaten wie Russland und dem Sultanat Oman habe Saudi-Arabien noch immer große Ölreserven und kaum Schulden, sagt Studienautor Ben Moores. Dies ermögliche es dem Königreich, auch in den kommenden Jahren große Aufträge an Rüstungskonzerne zu vergeben.

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Aus der Art der Rüstungsgüter, die von den arabischen Staaten derzeit bestellt werden, lässt sich laut Moores viel über ihre strategischen Ziele und Allianzen ablesen. "Saudi-Arabien, Katar und die Emirate investieren viel in Späh- und Überwachungstechnik." Dies könne auf ein wachsendes Streben nach Unabhängigkeit von ihrem Langzeitsicherheitspartner USA hindeuten. 

Die Golfstaaten und Ägypten hätten sich zudem Militärtechnik zugelegt, die auch anderen Zwecken diene als der rein defensiven Landesverteidigung. Der neue Fokus auf Präzisionslenkwaffen deutet nach Ansicht des Rüstungsexperten darauf hin, dass man sich auf Konflikte vorbereitet, "in denen es auch darum geht, sich die Unterstützung der Bevölkerung zu sichern, indem man eine große Anzahl ziviler Opfer vermeidet".

Die deutsche Rüstungsindustrie will bei dieser Auf- und Umrüstung der Länder mitmischen. Allerdings muss sie sich dabei auf Konkurrenz aus der Nachbarschaft einstellen. In Zukunft werden die Exporte hierzulande anteilig wieder sinken. Das liegt laut Moores nicht daran, dass Deutschland seine Rüstungsexporte insgesamt zurückfährt. Grund sei vielmehr, dass Frankreich seine Rüstungsindustrie "wiederbelebt". Die Gesamtsumme der französischen Ausfuhren in dem Bereich schätzt Moores auf rund sechs Milliarden US-Dollar. Seinen Berechnungen zufolge wird Frankreich 2018 sogar Russland überrunden und zum zweitgrößten Exporteur von Rüstungsgütern aufsteigen.