Das Großprojekt Stuttgart 21 sollte rund sechs Milliarden Euro kosten. Doch das Geld wird wohl nicht reichen. Nach übereinstimmenden Medienberichten geht ein interner Bahn-Bericht von Mehrkosten von etwa einer halben Milliarde Euro für den neuen Hauptbahnhof in Stuttgart aus. Über das Papier will der Aufsichtsrat am kommenden Mittwoch beraten.

In dem Dokument des Infrastruktur-Vorstands der Deutschen Bahn, Volker Kefer, heiße es, dass der bisherige Zeit- und Kostenplan wahrscheinlich nicht eingehalten werden kann. Geplant war, dass das Projekt rund sechs Milliarden Euro kostet. Nun müsse mit rund 500 Millionen Euro mehr gerechnet werden.

"Externe" Faktoren wie verzögerte Baugenehmigungen, neue Lärmschutzauflagen und eine andere Tunnelbauweise sollen die zusätzlichen Kosten verursacht haben. Auch der Schutz des Juchtenkäfers wird verantwortlich gemacht.

In dem Bericht heißt es demnach weiter, dass der der ursprüngliche Finanzierungsrahmen von 6,511 Milliarden Euro zwar noch innerhalb der 6,526 Milliarden Euro liege, die der Aufsichtsrat 2013 als Obergrenze bewilligt hatte. Bisher müsse der Rahmen also nicht erhöht werden. Allerdings liege die Kostenprognose der Bahn jetzt nur noch äußerst knapp darunter.

Eröffnung wohl erst 2023

Die Bahn müsse nun versuchen, an anderer Stelle 524 Millionen Euro einzusparen, heiße es im Papier weiter. Angeregt werde, die Bauarbeiter in Zukunft in zwei Schichten arbeiten zu lassen oder auf die Verlegung der Autobahn A8 zu verzichten.

Auch die geplante Eröffnung im Jahr 2021 wackelt. Im Umfeld der Kontrolleure ist von einer Verzögerung von bis zu zwei Jahren die Rede. Der Bahn-Vorstand hat laut Süddeutscher Zeitung zu dem internen Bericht keine Stellung genommen. 

Das Projekt Stuttgart 21 ist sehr umstritten. An Demonstrationen und Protesten kurz vor Beginn der Bauarbeiten beteiligten sich 2010 zehntausende Menschen. Die Gegner kritisierten etwa eine ungenügende demokratische Legitimation und Bürgerbeteiligung des Projekts, hohe Kosten, unzureichenden Denkmal- und Naturschutz sowie fehlende Wirtschaftlichkeit. Bei einer Volksabstimmung im November 2011 lehnte eine Mehrheit den Ausstieg des Landes aus dem Projekt trotzdem ab.

Bei den Koalitionsverhandlungen nach der baden-württembergischen Landtagswahl im März hatte das Projekt noch einmal für Spannungen gesorgt. Grüne und CDU konnten sich lange nicht auf eine Formulierung einigen, wie die Regierung mit möglichen Mehrkosten umgehen soll. Am Ende hieß es, in Gesprächen mit der Bahn halte man am Ziel fest, sich nicht über die vom Land zugesagten 930 Millionen Euro hinaus zu beteiligen.

In der vergangenen Woche einigten sich Stuttgart-21-Gegner mit dem Bundeskanzleramt auf die Herausgabe weiterer bislang vertraulicher Informationen zu dem Bahnprojekt. Es ging um Protokolle von Sitzungen aus den Jahren 2012 und 2013, die bislang in Teilen nur geschwärzt herausgegeben worden waren. Nach einer Kostensteigerung stand das Milliardenprojekt damals auf der Kippe.