Es war nur eine kleine Randnotiz: Ab sofort fliege aus Berlin "eine junge und umweltfreundliche Flotte der nächsten Generation" nach München, hat die Berlin-Brandenburg-Flughafengesellschaft kürzlich mitgeteilt. Im ersten Moment möchte man das gerne glauben. Umweltfreundliche Flugzeuge, das wäre doch mal was!

Es soll sie ja auch geben: Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA), die am Mittwoch in Berlin eröffnet hat, werden wohl auch ein paar Flieger in die Luft steigen, die kein CO2 produzieren, angetrieben durch Elektromotoren oder Solarenergie. Doch im Linienverkehr ist das leider pure Fantasie. Dort fliegen keine umweltfreundlichen Flugzeuge, auch nicht zwischen Berlin und München. Jeder Start einer Maschine schadet der Umwelt. Und schon ein Trip nach New York reicht, um die persönliche Klimabilanz eindrucksvoll zu ruinieren. Bei so einer Reise wird mehr CO2 freigesetzt als durch ein Jahr Autofahren, dazu kommen noch Stickoxide, Ozon, Sulfate, Ruß.

Sicher, man kann Reisen heute "klimaneutralisieren", also einen kleinen Ablass zahlen, damit irgendwo ein paar Bäume mehr gepflanzt werden. Es gibt inzwischen sogar genug seriöse Firmen, die das anbieten. Doch wer sich wirklich wegen des Klimawandels sorgt, der sollte wenigstens die privaten Kurztrips schleunigst einstellen.
Gelegentlich muss man sich daran erinnern, denn offensichtlich wird es häufig genug vergessen. Der Flugverkehr wächst, schneller sogar als jeder andere Verkehrssektor. Als seien all die Meldungen über den Klimawandel nur erfunden.

Ökonomen nennen so eine Sachlage "Marktversagen". Da schadet eine Industrie nachweislich der Umwelt, weder sie noch ihre Kunden sind gewillt oder in der Lage, den Schaden zu reparieren. Eigentlich müsste nun – so die Theorie – der Staat dafür sorgen, dass etwas passiert. Nur, der tut eben kaum etwas. Zwar müssen Fluggesellschaften in der EU durch den Emissionshandel inzwischen eine Art Strafsteuer zahlen. Doch die ist erstens auf die Flugkilometer in der EU begrenzt. Und zweitens wirkt sie offensichtlich nicht, denn der Flugverkehr wächst ja trotzdem weiter.

Was also bleibt? Gegen neue europäische Auflagen wehrt sich die Branche mit dem Argument, so etwas schade ihrer globalen Wettbewerbsfähigkeit. Und das ist nicht ganz falsch. Tatsächlich sind die Regierungen vieler anderer Länder mit ihrer Luftfahrtindustrie noch viel nachsichtiger als unsere.

Wenn aber national nichts getan werden kann und sich international auch nichts tut, dann hilft eigentlich nur eines: Dann müssen die Starken gemeinsam zeigen, was geht. Warum also nicht die fliegenden Klimaschädlinge zum Thema bei den TTIP-Verhandlungen machen?

EU und USA könnten umweltfreundliche Standards setzen

Das klingt fantastischer als es ist. Unentwegt behaupten doch die US-Regierung, die EU-Kommission und die Bundesregierung, dass sie durch dieses geplante europäisch-amerikanische Abkommen gemeinsam hohe, umweltfreundliche Standards setzen wollen – auch für den Rest der Welt.

Meinten sie das wirklich ernst, könnten sie den Flugverkehr ganz einfach ganz weit oben auf die Liste ihrer Verhandlung setzen. Das wäre dann endlich mal eine gute Nachricht: Die USA und die EU drängen Fluggesellschaften durch neue Regeln und Steuern gemeinsam und energisch, endlich massiv in den Umweltschutz zu investieren. Boeing oder Airbus wetteifern deswegen ab sofort darum, wer als Erstes einen echten klimaneutralen und massentauglichen Verkehrsflieger produzieren kann. Und der Prototyp wird dann auf der ILA in, sagen wir, zehn Jahren vorgestellt.

Schön wäre das, oder?