Der britische Finanzminister George Osborne will nach dem Brexit-Votum die Körperschaftssteuer für Unternehmen von derzeit 20 auf unter 15 Prozent senken. Dies sei ein Kernpunkt eines Fünf-Punkte-Programms zur Unterstützung der britischen Wirtschaft, sagte er der Financial Times. Großbritannien bekäme damit die geringste Unternehmenssteuer der großen Volkswirtschaften der Welt.

Mit der deutlichen steuerlichen Entlastung sollen Unternehmen nach dem Brexit-Votum zu einem Verbleib in Großbritannien bewegt werden. Zu Osbornes Fünf-Punkte-Programm gehört auch ein neuer Anlauf, Investitionen aus China anzulocken, Bankkredite zu unterstützen, die fiskale Glaubwürdigkeit Großbritanniens zu garantieren sowie in die klassischen Industrieregionen in Nordwestengland zu investieren.   

Osborne sagte der Financial Times, die britische Wirtschaft müsse sich mit einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auf das Ausscheiden aus der EU vorbereiten. "Wir müssen den Horizont und den Weg vor uns in den Blick nehmen und das Beste aus den Karten machen, die uns ausgeteilt wurden", sagte der Minister. Mehrere große britische Unternehmen haben wegen der Brexit-Entscheidung bereits Gewinnwarnungen ausgegeben. 

Großbritannien würde mit den niedrigeren Unternehmenssteuern einen Weg wählen, der sich gegen die Politik der EU stellt. Die EU-Kommission versucht seit Jahren, die Abwärtsspirale der Unternehmenssteuern in den Mitgliedsstaaten zu begrenzen und spricht sich auf europäischer Ebene für eine gemeinsame Bemessungsgrundlage der Unternehmenssteuern aus. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OSZE) warnte nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters in einer internen E-Mail davor, Großbritannien würde sich zu einem Steuerparadies entwickeln.