Die Entscheidung der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union erhöht laut den Finanzministern der G20-Staaten weltweit die wirtschaftliche Unsicherheit. Das Ergebnis des Referendums trage "zur Unsicherheit in der Weltwirtschaft" bei, hieß es in der Abschlusserklärung eines Treffens der G20-Finanzminister im chinesischen Chengdu. Der britische Finanzminister Philip Hammond stellte deshalb für den Herbst ein Konjunkturprogamm in Aussicht, um die negativen Folgen des Brexit-Votums abzufedern.

Am Rande des G20-Treffens hatte sich Schäuble erstmals mit Hammond getroffen. Noch zeichne sich keine rasche Linie für einen Austritt Großbritanniens aus der EU ab, sagte Schäuble danach. Er zeigte sich gleichwohl zuversichtlich, dass es eine "gute Zusammenarbeit in schwierigen Verhandlungen" geben werde. Aber das Problem sei noch nicht gelöst. 

Vor dem G20-Finanzministertreffen hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für dieses und das folgende Jahr um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 und 3,4 Prozent herabgesetzt. In dem Bericht warnte der IWF, angesichts des Brexit-Votums seien weitere negative Konsequenzen nicht auszuschließen.

Ein Vertreter des US-Finanzministeriums sagte, langwierige Verhandlungen würden die Risiken für die Wirtschaft noch erhöhen. Besonders verheerend für das Vertrauen der Wirtschaft wäre, wenn die Austrittsgespräche "hochgradig konfrontativ" verliefen. Hammond sagte in Chengdu, die Unsicherheit werde andauern, bis die Verhandlungen mit der EU zum Austritt abgeschlossen seien.

Die massive Verschlechterung der Stimmung in der britischen Wirtschaft zeige das Ausmaß der Unsicherheit, die das Brexit-Votum ausgelöst habe, sagte Hammond. Er kündigte daher für den Herbst ein Konjunkturprogramm an. London werde im Herbst eine "fiskalische Antwort geben", so Hammond.

Die Briten hatten sich bei dem Referendum vom 23. Juni mit knapper Mehrheit für den Austritt ihres Landes aus der EU ausgesprochen. Das Votum stürzte die britische Politik in die Krise und führte zum Rücktritt von Premierminister David Cameron, der für den Verbleib in der EU geworben hatte. Seine Nachfolge übernahm die EU-Skeptikerin Theresa May. Mangels fertiger Pläne für den Brexit will sie den Antrag auf Austritt aber nicht vor dem kommenden Jahr stellen.