Erst vor wenigen Tagen machte das Silicon Valley deutlich, was es von einem Präsidenten Trump hält. "Wir haben uns im vergangenen Jahr angehört, was Donald Trump zu sagen hat, und sind zu einem Schluss gekommen: Trump wäre ein Desaster", hieß es wenig schmeichelhaft in dem offenen Brief, der von mehr als 100 Managern und Unternehmern unterschrieben war. Mit seinen Vorschlägen zu Einwanderung, der Einschränkung des offenen Austauschs von Ideen, direkten Angriffen auf Apple und Amazon-Chef Jeff Bezos sowie seinen rassistischen Ausfällen stehe er diametral zu allem, was die Technologiebranche verkörpere. Die Spezies des Trump-Unterstützers aus dem Valley sei so gefährdet, dass sie gleich als ausgestorben bezeichnet werden könne, scherzte die New York Times daraufhin.

Doch ein Name fehlte auf der Liste. Peter Thiel, der 48-jährige Gründer von Paypal, den eine frühe Investition in Facebook zum Multimilliardär machte, hat sich auf die Seite von Donald Trump geschlagen. Am selben Tag, als der offene Brief erschien, bestätigte Thiel seine Teilnahme als Redner auf dem Parteitag der Republikaner – zur Prime Time am Prime Day, als einer der letzten Redner, bevor Trump selbst auf die Bühne kam.

"Im Silicon Valley ist schwer zu erkennen, was alles schief läuft im Land", sagt Thiel zu Beginn. Aber man müsse nur über die Brücke nach Oakland fahren, um die Probleme zu sehen. Als er als Einjähriger von Deutschland nach Amerika gekommen sei, habe es Hightech und Chancen noch überall im Land gegeben, nicht nur in Kalifornien. "Das, was wir heute sehen, ist nicht der Traum, den wir hatten", kritisiert Thiel. Und bringt ein Beispiel, das nur ein Tech-Nerd bringen kann: "Unsere Kampfflieger halten nicht mal den Regen aus." Dass Peter Thiel enttäuscht ist vom Status quo, das hat er schon vor Jahren deutlich gemacht. "Wir wollten fliegende Autos, stattdessen bekamen wir 140 Zeichen", schrieb er in das Manifesto seines Wagniskapitalfonds.

Auf den ersten Blick überrascht das ungleiche Gespann trotzdem, nicht zuletzt, weil Thiel homosexuell ist. Schließlich spricht sich das offizielle Parteiprogramm der Republikaner für das Recht von Bundesstaaten aus, Transsexuellen vorzuschreiben, welche Toilette sie benutzen dürfen, unterstützt offen die sogenannten conversion therapies, die Schwule "heilen" sollen, und lehnt die gleichgeschlechtliche Ehe ab. Am Donnerstagabend schiebt Thiel den Gewissenskonflikt mit einem Nebensatz beiseite. Er sei natürlich stolz darauf, ein schwuler Mann und Republikaner zu sein, aber noch viel stolzer sei er, Amerikaner zu sein. Und: "Ich stimme vielleicht nicht mit allem überein, was im Parteiprogramm steht. Aber Kulturkämpfe lenken uns nur ab von den wahren Problemen."

Noch 2014 sagte Thiel in einem Interview, Trump verkörpere alles, "was falsch ist an New York City". Seitdem scheint der Investor seine Meinung geändert zu haben. Tatsächlich sind Trump und Thiel sich ähnlicher, als es auf den ersten Blick scheint. Der umstrittene Königsmacher des Silicon Valley und Kopf der sogenannten Paypal-Mafia, zu der auch Elon Musk und Reid Hoffman gehören, hat sich mit seinen streitbaren Ideen über die Jahre einen Namen gemacht als Querdenker in einer Gruppe von Querdenkern – und damit einen ähnlichen Ruf erarbeitet wie Trump in den Reihen seiner Partei. Beide mögen Worte und Ideen, die an Größenwahn grenzen, und verachten bestehende Strukturen und Konventionen gleichermaßen. Vor wenigen Jahren bot Thiel Studenten 100.000 Dollar, wenn sie die Uni abbrechen, und kündigte an, den Tod überwinden zu wollen, der nichts weiter sei als eine heilbare Krankheit.

In einem Essay mit dem Titel Die Erziehung eines Libertären schrieb Thiel 2009, die zwanziger Jahre seien das letzte Jahrzehnt gewesen, in dem man noch Grund gehabt habe, in Bezug auf die Politik optimistisch zu sein. Der Grund? Danach hätten Frauen das Wahlrecht bekommen.