Die Zinsen für Kontoüberziehungen in Deutschland sind zu hoch. Sie liegen durchschnittlich bei knapp zehn Prozent und damit nur minimal unter dem Vorjahreswert, berichtet die Zeitung Finanztest in ihrer September-Ausgabe.

Banken verlangen von ihren Privatkunden also nach wie vor bei Dispozinsen hohe Gebühren. Bei einigen Kreditinstituten werden sogar Zinsen zwischen 13 und 13,75 Prozent fällig. Nur für Kunden von Direktbanken ohne eigenes Filialnetz gibt es gute Nachrichten: Sie müssen im Vergleich am wenigsten zahlen.

Die Zeitung Finanztest wird von der Stiftung Warentest herausgegeben. Sie hat die Zinssätze von allen 1.433 deutschen Banken und Sparkassen ausgewertet. Demnach bieten immer mehr Banken teure Premiumkonten an, für die sie niedrigere Dispozinssätze versprechen. Die Kosten für die Kontoführung seien aber deutlich höher als beim Standardkonto, heißt es in dem Bericht. Dabei sei letzteres für viele Kunden eigentlich die bessere Wahl. Selbst wer den Dispokredit regelmäßig nutze, zahle beim Premiumkonto oft drauf.

Die Stiftung Warentest bemängelt außerdem, dass nicht alle Banken ihre Dispozinssätze im Internet klar verständlich veröffentlichen – obwohl sie dazu gesetzlich verpflichtet sind. 30 Geldhäuser hielten sich laut Finanztest nicht daran; ein Kreditinstitut veröffentlichte den Zinssatz gar nicht. Bei 29 Banken sei nicht erkennbar, wie hoch die Überziehungsgebühren tatsächlich ausfallen. So verlange eine Volks- und Raiffeisenbank in Bayern je nach Bonität des Kunden 4,75 bis 12,75 Prozent. Wie die Zahlungsfähigkeit eingeschätzt wird, erfahre der Kunde jedoch nicht.

Die Erkenntnisse von Finanztest sind nicht neu. Schon 2013 hatten gemeinsame Recherchen von ZEIT und ZEIT ONLINE ergeben, dass die meisten Banken, Sparkassen und Volksbanken zu hohe Dispozinsen verlangen. Die Medien riefen ihre Leser dazu auf, ihnen Informationen zu den persönlichen Dispozinsen mitzuteilen. Dabei kam heraus, dass der Strafzins für Kontoüberziehungen im Schnitt bei zwölf Prozent lag – weit über den neun Prozent, die der Bundesgerichtshof in seiner ständigen Rechtsprechung als gerechtfertigt ansieht. Drei von vier Geldinstituten, über die die Leser berichtet hatten, lagen über diesem Satz.