ZEIT ONLINE: Herr Schweizer, heute Abend startet die dritte Staffel von Die Höhle der Löwen. Eine Gründershow im Land der Nicht-Gründer: Hatten Sie da nicht Angst, dass die Sendung ein Rohrkrepierer wird? 

Jochen Schweizer: Es hätte passieren können, dass nach einer Staffel Schluss ist. Klar. Aber Chance und Risiko bedingen einander. Natürlich hätte ich sagen können: Es könnte schief gehen und deswegen mache ich nicht mit. Aber genau diese Angst vor dem Scheitern hindert junge, begabte Menschen daran, zu gründen. Und genau das will ich verändern. Deutschland hat mir Chancen geboten, die ich genutzt habe – und jetzt will ich etwas zurückgeben und mehr Menschen zum Gründen ermutigen, denn so bringen sie Wirtschaft und Gesellschaft voran.

ZEIT ONLINE: Welche Chancen hat Deutschland Ihnen denn geboten?

Schweizer: Deutschland hat mir die Infrastruktur, die Bildung und die Rechtssicherheit geboten – und damit die Basis, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.

ZEIT ONLINE: Was stand für Sie auf dem Spiel, als Sie das Angebot bekamen, Juror in der Sendung zu werden?

Schweizer: Ich trage große Verantwortung für eine Publikumsmarke, die meinen Namen trägt und mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigt. Und ich habe mir überlegt: Würde ein Flop meiner Marke schaden? Deshalb habe ich mir das Konzept der Show sowie die Sendungen aus anderen Ländern, wie beispielsweise Shark Tank in den USA, im Detail angeschaut. Dann bin ich zu der Entscheidung gelangt, das Wagnis einzugehen.

ZEIT ONLINE: Die Sendung ist erfolgreicher als erwartet – und Sie bekommen nun auch eine nette Rendite.

Schweizer: Was ist die Rendite? Mehrere Millionen Menschen sehen das Format und merken: Das ist eine gute Idee, die hätte ich auch haben können. Das trägt womöglich dazu bei, dass in Zukunft mehr Menschen in Deutschland den Mut haben, ein Unternehmen zu gründen.

ZEIT ONLINE: Aber es geht auch um Geld: Die Investitionen, die Sie vor laufender Kamera machen, sollen Rendite abwerfen.

Schweizer: Jetzt lassen wir die Kirche mal im Dorf. Die Realität ist, dass die Mehrheit der Gründer es nicht schafft. Nur ein kleiner Teil der Investments, vielleicht eines von zehn, fliegt richtig hoch. Seed Investments, also Investitionen in sehr junge Firmen, sind höchst riskant. Und ich habe bisher nur investiert, nicht nur viel Geld, sondern auch viel Arbeit. Rendite habe ich bislang noch keine gesehen. In drei bis fünf Jahren können Sie mir die Frage erneut stellen, dann werde ich hoffentlich sagen: Es hat sich gelohnt.

ZEIT ONLINE: Dass Sie dort als Juror sitzen, bringt aber auch Ihrer Marke Vorteile.

Schweizer: Ja, das kann man so sehen. Andererseits informieren wir fast fünf Millionen Kunden vor jeder Sendung, um zu bewirken, dass sie zusehen. Man kann dies als Vorteil für das Format sehen.

ZEIT ONLINE: Die Sendung will die Lust am Gründen fördern – aber vor allem muss sie unterhalten. Was möchten Sie dort als Juror mehr: unterhalten oder zum Gründen animieren?

Schweizer: Letzteres! Als Motivationsredner spreche ich oft vor großen Auditorien, über Chance und Risiko, Scheitern und Erfolg, über grundsätzliche Erkenntnisse, die ich gewonnen habe. Ich sage dann gerne: Mein Leben war immer unsicher. Man muss ins Risiko gehen, um etwas zu erreichen. Chance und Unsicherheit bedingen einander. Das ist meine zentrale Botschaft. Und die will ich in der Sendung vermitteln.    

ZEIT ONLINE: Neben Ihrem Unternehmen, das Erlebnisse jeglicher Art verkauft, finanzieren Sie mit der Jochen Schweizer Ventures GmbH auch Start-ups. Inwieweit passen Ihre Beteiligungen aus Die Höhle der Löwen dort hinein? 

Schweizer: Mein Management ist manchmal nicht begeistert von meinen Deals, weil manche Start-ups nicht zu unserem Investmentfokus passen. Ein Beispiel: In der aktuellen Staffel habe ich in ein Superfood-Produkt investiert, das eine Antwort auf die Frage liefert, was ich statt fettiger Butterbrezn und süßer Gummibärchen essen kann, wenn nachmittags der Blutzuckerspiegel sinkt und der Heißhunger zuschlägt. Bisher mische ich mir selbst immer einen Smoothie aus Beeren, Flohsamenschalen und Eiweißen an, "Jochens Power Shake" sagen meine Mitarbeiter dazu. Den biete ich immer auch gerne meinen Gästen an. Der Hunger ist damit weg, die Energie ist wieder da.

ZEIT ONLINE: Und das Start-up macht Jochens Power Shake nun Konkurrenz?

Schweizer: Es hat eine gesunde Alternative entwickelt, die mich so überzeugt, dass ich dem Gründerteam erlaubt habe, ein gezeichnetes Konterfei meines Gesichts auf der Packung abzudrucken. Mein Management war von dem Deal nicht begeistert, aber mich hat die Idee überzeugt!