Die US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen hat deutliche Signale für eine weitere Anhebung der Leitzinsen in den USA gesendet. "Im Lichte der fortgesetzten soliden Situation auf dem Arbeitsmarkt und unseren Prognosen für die volkswirtschaftliche Aktivität und die Inflation glaube ich, dass die Argumente für eine Erhöhung der Leitzinsen stärker geworden sind", sagte Yellen bei der jährlichen Tagung von Notenbankern aus aller Welt in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming.

"Die US-Wirtschaft nähert sich den Zielen der Federal Reserve von Vollbeschäftigung und Preisstabilität", erläuterte Yellen. Zinserhöhungen sollten aber "behutsam" erfolgen. Die Präsidentin der Federal Reserve (Fed) versicherte zudem, dass die Notenbank sich in ihren geldpolitischen Entscheidungen weiterhin von den tatsächlichen Wirtschaftsdaten und nicht von Prognosen leiten lassen werde.

Wann genau die Fed den nächsten Zinsschritt vollziehen will, deutete Yellen nicht an. Ihre Bemerkungen verstärkten aber die Sichtweise, dass die Fed noch in diesem Jahr die Zinsen anheben könnte. Die nächste Zinssitzung der US-Währungshüter ist für den 20. und 21. September anberaumt. Viele Experten gehen jedoch eher von einer weiteren Anhebung des US-Leitzinses erst im Dezember aus.

US-Notenbank zögerte immer wieder

Die Fed hatte im Dezember 2015 zum ersten Mal seit der Finanzkrise den Leitzins angehoben. Seitdem ließen wechselhafte US-Wirtschaftsdaten und Phasen starker Marktturbulenzen die US-Notenbank aber immer wieder zögern. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Zentralbankgeld liegt derzeit in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

Yellen war nicht die einzige US-Notenbankerin, die in Jackson Hole Signale für eine Anhebung des Schlüsselzinssatzes gab. Auch die Chefin des Fed-Ablegers in Cleveland, Loretta Mister, sprach sich für eine allmähliche Leitzinserhöhung aus. Es ergebe Sinn, damit zu beginnen, die Sätze behutsam hochzusetzen, sagte sie dem Fernsehsender CNBC. Der Präsident der Fed von Atlanta, Dennis Lockhart, hält mindestens einen Zinsschritt in diesem Jahr für möglich, sollte sich die Wirtschaft weiter verbessern. Möglich seien aber auch zwei Schritte, sagte er Bloomberg TV.

Aus Sicht mancher Notenbanker könnte eine zu lange Phase mit sehr niedrigen Zinsen die Inflation zu deutlich anheizen. In der Folge müsste die Fed dann womöglich noch stärker die Zinsen anheben – mit entsprechend dämpfenden Auswirkungen für die Konjunktur, befürchten sie. Nach der Yellen-Rede legte der wichtigste deutsche Aktienindex, der Dax, zu und schloss am Freitagabend bei 10.587,77 Punkten mit einem Aufschlag von 0,55 Prozent. Vor Yellens Aussagen zur US-Zinspolitik hatten sich Anleger am Frankfurter Aktienmarkt mit Engagements zurückgehalten.