Joseph Stiglitz und Mark Pieth haben das nach dem Skandal um die Panama Papers eingerichtete Komitee zur Reform des Finanzsektors von Panama verlassen. Der US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger und der Schweizer Strafrechtler und Antikorruptionsfachmann hätten sich aus dem Expertengremium wegen "interner Differenzen" zurückgezogen, teilte die Regierung von Panama mit.

In einer Erklärung schreiben Stiglitz und Pieth, dass sie die Zusammenarbeit beendet hätten, weil die Regierung nicht bereit sei zu garantieren, dass der Abschlussbericht öffentlich gemacht wird. Das Expertengremium ist eingerichtet worden, um Transparenz in Panamas Finanzsystem zu bringen – es mangele dem Komitee aber selbst an Transparenz, schrieben Stiglitz und Pieth.

Im Zentrum des Skandals um Briefkastenfirmen steht die Finanzkanzlei Mossack Fonseca. Durch die Auswertung von elf Millionen Dokumenten hatte ein weltweites Journalistennetzwerk im April enthüllt, wie die Kanzlei Dutzenden Spitzenpolitikern, Sportstars und anderen Prominenten dabei half, Steuern zu umgehen. Die Enthüllungen riefen weltweit Steuerfahnder auf den Plan und fügten dem Image Panamas als Finanzstandort schweren Schaden zu.

Beweise für Verbrechen

Das Komitee unter Leitung von Stiglitz hatte im Juli einen vorläufigen Bericht mit Reformvorschlägen eingereicht. Auf dem ersten gemeinsamen Treffen im Juni hätte noch Einigkeit darüber geherrscht, dass die Regierung den Report öffentlich machen solle, unabhängig davon, wie die Ergebnisse ausfallen. Doch Ende Juli hätten sie einen "relativ groben Brief" vom Außenministerium Panamas erhalten, wie Strafrechtler Mark Pieth von der Universität Basel dem Schweizer Tagesanzeiger sagte. Danach würde allein Panamas Präsident Juan Carlos Varela entscheiden, ob und wie Ergebnisse veröffentlicht würden.

Stiglitz, der Professor an der Columbia-Universität in New York ist, geht davon aus, dass die Regierung von jenen Gruppen unter Druck gesetzt würde, die Profite aus dem intransparenten Finanzsystem des Landes ziehen. Die Regierung von Panama versicherte dagegen, sie halte an "Transparenz und internationaler Kooperation" im Kampf gegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung fest. Die restlichen fünf Kommissionsmitglieder, darunter vier Panamaer, wollen die Arbeit fortführen und den Bericht wie vorgeschrieben dem Präsidenten unterbreiten.  

In diesem könnte viel Brisantes stehen. Mark Pieth sagte, er sei selbst als Experte für organisierte Kriminalität und Wirtschaftsverbrechen nach einem genauen Einblick in die Akten erstaunt gewesen, wie viel von dem sich bestätigt habe, was man bislang nur in der Theorie vermutet habe. In den Papieren habe man Beweise für Verbrechen gefunden, beispielsweise für Geldwäsche durch Kinderprostitutionsringe.

Panamas Regierung habe ihn und Stieglitz am Ende vorgeführt, sagte Pieth. Erst wären sie feierlich der Weltöffentlichkeit präsentiert worden, doch im Falle unerwünschter Ergebnisse sollten sie den Mund halten.