1. Deutschlands Staatsverschuldung sinkt

Während viele Länder in der Europäischen Union mit wachsenden Staatsschulden zu kämpfen haben, konnte die Bundesrepublik ihre Schuldenlast in den vergangenen Jahren reduzieren. Dabei halfen unter anderem das relativ stabile Wirtschaftswachstum, die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die niedrigen Zinsen. Deutschland liegt mit einer Verschuldung von gut 71 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) aber immer noch über der Marke von 60 Prozent. Diese ist Teil der Maastricht-Kriterien, mit denen die EU ihren Mitgliedsstaaten vorgibt, wie sehr sie sich verschulden dürfen.

2. Deutschland kommt günstig an Kredite

Die Finanzlage des Bundes ist so gut, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in den vergangenen Jahren trotz Euro-Krise und Flüchtlingskrise einen Haushaltsüberschuss aufweisen konnte. Allein im Jahr 2015 blieben nach Abzug aller Ausgaben bei Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen 19,4 Milliarden Euro übrig. Die mittelfristige Planung des Bundesfinanzministeriums sieht zudem vor, dass auch in den kommenden fünf Jahren keine neuen Schulden aufgenommen werden sollen. 

Neben der guten Konjunktur spielen vor allem die extrem niedrigen Zinsen eine entscheidende Rolle. Aktuell kommt es zu der absurden Situation, dass Anleger dem Bund Zinsen dafür zahlen, ihm Geld leihen zu dürfen. Für den Staat sind es also günstige Zeiten, um neue Kredite aufzunehmen. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel schätzt, dass Deutschland zwischen 2009 und 2015 rund 80 Milliarden Euro an Zinszahlungen eingespart hat.

3. Der Staat gibt relativ wenig aus

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt hat die öffentliche Hand ihre Ausgaben in den vergangenen Jahren gesenkt. Der kurzzeitige Anstieg in den Jahren 2009 und 2010 hatte mit der weltweiten Finanzkrise zu tun. Die hat den Staat zusätzliches Geld gekostet und gleichzeitig zu einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts geführt. Mittlerweile ist die sogenannte Staatsquote kaum höher als in Großbritannien und deutlich niedriger als beispielsweise in Frankreich oder Schweden.

4. Steuern runter?

Angesichts der Haushaltsüberschüsse wird vermehrt darüber diskutiert, ob man die Steuern nicht senken sollte. So fordert der Wirtschaftsflügel der Union Entlastungen in einem Volumen von 30 Milliarden Euro. Aber sind die Steuern in Deutschland wirklich so hoch? Zahlen des Bundesfinanzministeriums zeigen, dass die Einkommenssteuern sowohl für Geringverdiener als auch für Spitzenverdiener seit dem Jahr 1998 bereits mehrfach gesenkt wurden. Kapitalerträge werden seit einigen Jahren pauschal mit 25 Prozent besteuert – unabhängig vom Einkommen. Davon profitieren Menschen mit großem Vermögen. Die Regelung ist umstritten und könnte in der kommenden Legislaturperiode abgeschafft werden. Union und SPD haben angedeutet, dass der persönliche Einkommenssteuersatz bis 45 Prozent dann auch wieder auf Kapitalerträge gelten würde.

Die Erwerbseinkommen werden in Deutschland tatsächlich stärker belastet als in den meisten anderen OECD-Ländern. Dabei fallen aber vor allem die hohen Sozialabgaben ins Gewicht. Hier liegt Deutschland hinter Slowenien auf Platz 2. Bei der Einkommenssteuer liegt Deutschland hingegen lediglich im oberen Mittelfeld.

5. In Bildung investieren?

Gemessen an seiner Wirtschaftsleistung gibt Deutschland weniger Geld für Bildung aus als die meisten anderen OECD-Länder. Die neuesten Zahlen stammen aus dem Jahr 2012. Demnach gibt beispielsweise Großbritannien 4,5 Prozent des BIP für schulische Bildung aus. In Deutschland liegt die Quote dagegen nur bei 3,1 Prozent.

6. Mehr Geld für Infrastruktur?

Nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey investiert Deutschland von allen G20-Staaten am wenigsten in die Infrastruktur. Experten wie Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, warnen, dass die schwache Infrastruktur Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit bedroht. Die hohen Steuereinnahmen böten jetzt die Chance in Straßen, Schienen und digitale Infrastruktur zu investieren, sagt er.