Wenn die Politik sich aus diesen Gründen für Einkommensteuerentlastungen entscheidet, wie sollte diese Entlastung gestaltet werden? Eigentlich wäre ein "Tarif auf Rädern", also eine regelmäßige, automatische Verschiebung des Steuertarifs die richtige Antwort auf das Problem der kalten Progression. Eine einmalige Entlastung kann das Problem aber zumindest vorübergehend lösen. Außerdem ist es dabei möglich, den Steuertarif und damit die Lastenverteilung unter den Steuerzahlern neu zu justieren. Wie könnte eine derartige Reform gestaltet werden?

Ein Problem der deutschen Einkommensteuer liegt darin, dass der Grenzsteuersatz zwischen dem Grundfreibetrag von derzeit bei 8.653 Euro bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 13.669 Euro recht schnell ansteigt, von 14 auf 24 Prozent. In den Einkommensbereichen darüber steigt die Steuerbelastung langsamer an. Dieser Teil des Einkommensteuertarifs wird häufig als "Mittelstandsbauch" bezeichnet. Ob dieser Tarifverlauf als fair oder unfair anzusehen ist, ist eine Frage der politischen Bewertung. Wenn das Ziel darin besteht, die Steuerzahler mit niedrigeren Einkommen an der Steuerentlastung zu beteiligen, ist es jedoch naheliegend, diesen Mittelstandsbauch abzuflachen. Eine vollständige Beseitigung des Mittelstandsbauches würde einen Rückgang des Steueraufkommens um rund 30 Milliarden Euro mit sich bringen.

Die CDU-Mittelstandsunion hat vorgeschlagen, nicht ganz so weit zu gehen und den Steuersatz am Ende der ersten Progressionszone von 24 auf 20 Prozent zu senken. Zusätzlich soll der Einkommensbetrag, bei dem die obere Progressionszone mit einem Steuersatz von 42 Prozent (mit Solidaritätszuschlag 44,3 Prozent) erreicht wird, von derzeit 53.665 Euro auf 60.000 Euro erhöht werden. Oberhalb dieser Grenze ist der Steuersatz derzeit bis zu einem Einkommen von 254.446 Euro konstant.

Nach dem CDU-Konzept soll er künftig weiter ansteigen, bis er bei einem Einkommen von 254.446 Euro das Niveau von 45 Prozent (mit Solidaritätszuschlag knapp 47,5 Prozent) erreicht. Durch dieses Element sollen die Entlastungen für Steuerzahler mit hohen Einkommen begrenzt werden. Dieses Reformpaket würde das Steueraufkommen um knapp 24 Milliarden Euro senken. Dabei sind Verhaltensanpassungen wie etwa eine höhere Beschäftigung infolge der Steuerentlastung nicht berücksichtigt. Die tatsächlichen Steueraufkommensverluste dürften deshalb niedriger sein.

Einkommensteuerentlastungen in dieser Größenordnung wären finanzierbar. Man kann damit rechnen, dass die Steuerpolitik im nächsten Bundestagswahlkampf eine zentrale Rolle spielen wird. Gegner von Steuersenkungen werden dabei einen schweren Stand haben.